"We shall erase from the memory of men all facts of
previous centuries which are undesirable to us,"
- Protocols of the Learned Elders of Zion. Protocol 16:4
History is a set of lies agreed upon. - attributed to Napoleon Bonaparte
Kristjan (Christian) Jurjewitsch Rakowskij (Rakowski) [aka Chaim Rakover] – Sowjetdiplomat, Trotzkist und Freimaurer will Stalins Genickschuß entgehen und packt deshalb aus über die Hintermänner.
Protokoll über die Vernehmung durch den GPU-Offizier Gabriel Kuzmin am 26. Januar 1938 in Moskau.
Kuzmin, i.F.: Kuz. : Wie wir in der Lubjanka übereinkamen, habe ich mich darum bemüht, für Sie eine letzte Chance zu erwirken; Ihre Anwesenheit hier beweist, dass ich dies erreicht habe. Wollen sehen, ob Sie uns täuschen werden.
Rakowskij, i.F.: Rak. : Ich wünsche und hoffe, dass nicht.
Kuz.: Aber vorher einen Rat von Mann zu Mann: Hier handelt es sich jetzt um die reine Wahrheit. Nicht um die "Prozess‑Wahrheit", wie sie im Prozeß im Licht der Geständnisse der anderen Angeklagten erscheinen muss und sich, wie Sie wissen, völlig der politischen Notwendigkeit, der "Staatsraison", wie man im Westen sagt, unterzuordnen hat. Die Notwendigkeiten der internationalen Politik lassen uns die ganze Wahrheit, die "wahre Wahrheit", geheimhalten. Ganz gleich, wie der Prozess verläuft, die Völker und Menschen werden das erfahren, was sie erfahren sollen ‑ einer aber muss alles wissen: Stalin. Ihre Worte hier, seien sie wie sie wollen, können Ihre Lage nicht verschlimmern. Diese lässt ohnehin, wie Sie wissen, keine Verschlimmerung zu. Sie können sich nur zu Ihren Gunsten auswirken. Sie können Ihr in diesem Augenblick schon verlorenes Leben zurückgewinnen. So ‑ nun wollen wir sehen: ihr alle werdet also bekennen, dass ihr Spione Hitlers im Solde der Gestapo und des O.K.W. seid, nicht wahr?
Rak.: Ja
Kuz.: Und ihr seid Spione Hitlers?
Rak.: Ja
Kuz.: Nein, Rakowskij, nein! Sagen Sie die Wahrheit, nicht die Prozeßwahrheit !
Rak.: Wir sind keine Spione Hitlers, wir hassen Hitler so, wie Sie ihn hassen, so wie Stalin ihn hassen kann, vielleicht noch mehr. Aber die Sache ist sehr kompliziert.
Kuz.: Ich werde Ihnen helfen. Vielleicht weiß ich auch etwas. Ihr Trotzkisten habt Kontakt mit dem Deutschen Generalstab aufgenommen, nicht war?
Rak.: Ja
Kuz.: Seit wann
Rak.: Das genaue Datum weiß ich nicht, aber bald nach dem Sturz Trotzkis, lange bevor Hitler an die Macht kam.
Kuz.: Dann sind Sie also nicht Spione von Hitler persönlich oder von seinem Regime.
Rak.: Richtig. Wir waren es schon vorher.
Kuz.: Und mit welcher Absicht? Etwa um ihm einen Sieg und einige russische Gebiete für Deutschland zu schenken.
Rak.: Nein, keinesfalls !
Kuz.: Dann also als gemeine Spione, für Geld?
Rak.: Für Geld? Wir haben keine Mark von Deutschland bekommen. Hitler hat nicht entfernt genug Geld, um beispielsweise einen Volkskommissar für innere Angelegenheiten der Sowjetunion zu kaufen, hat doch dieser zu seiner freien Verfügung ein Budget, das größer ist als die Vermögen der Ford, Morgan und Vanderbild zusammen, ohne auch nur darüber Rechenschaft geben zu müssen.
Kuz.: Also ‑ aus welchem Grunde dann?
Rak.: Darf ich ganz frei sprechen?
Kuz.: Ich bitte Sie darum, dazu habe ich Sie ja aufgefordert.
Rak.: Hatte nicht auch Lenin einen höheren Grund, die Hilfe Deutschlands anzunehmen, damit er nach Russland gelangen konnte? Muss man die Verleumdungen gelten lassen, die dann gegen ihn geschleudert wurden? Nannte man nicht auch ihn einen Spion des Kaisers? Seine Verbindung zum Kaiser und das deutsche Eingreifen, damit die Bolschewisten als Anstifter der Niederlage nach Russland gelangten sind doch offensichtlich.
Kuz.: Ob das richtig oder falsch ist, gehört nicht zur Sache.
Rak.: Nein, erlauben Sie mir, dies abzuschließen. Steht nicht fest, dass Lenins Handlungsweise dem deutschen Staate zu gute kam? Gestatten Sie: Hier ist der Friede von Brest‑Litowsk, in dem gewaltige Gebiete der Sowjet-Union an Deutschland abgetreten wurden. Wer hat das Herbeiführen der Niederlage als bolschewistische Waffe schon 1913 proklamiert? Lenin, ‑ ich weiß die Worte seinen Briefes an Gorkij auswendig: "Der Krieg zwischen Österreich und Russland würde für die Revolution sehr nützlich sein, aber es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Franz Josef und Nikita uns diese Gelegenheit bieten." Sie sehen: Wir, die sogenannten Trotzkisten, die die Herbeiführung der Niederlage im Jahre 1905 erfanden, zu welcher Methode sich dann Lenin 1913 bekennt, verfolgen wir noch immer diese Taktik, die Taktik Lenins....
Kuz.: Mit dem kleinen Unterschied, Rakowskij, dass heute in der Sowjetunion der Sozialismus und nicht ein Zar herrscht.
Rak.: Glauben Sie an das Bestehen des Sozialismus in der Sowjetunion?
Kuz.: Ist denn die Sowjetunion nicht sozialistisch?
Rak.: Für mich nur dem Namen nach. Hier liegt der wahre Grund der Opposition. Gestehen Sie mir zu ‑ und der reinen Logik nach müssen Sie es mir zugestehen ‑, dass wir theoretisch, der Vernunft nach, das gleiche Recht haben, "Nein" zu sagen, wie Stalin es hat "Ja" zu sagen? Und wenn der Sieg des Kommunismus es rechtfertigt, dass man die Niederlage herbeiführe, so hat, wer den Kommunismus durch Stalins Bonapartismus für verraten und verkauft hält, ebenso viel Recht, die Niederlage herbeizuführen, wie Lenin es hatte.
Kuz.: Ich glaube, Rakowskij, dass Ihr großer Stil als Dialektiker Sie zum Theoretisieren verleitet. In der Öffentlichkeit würde ich Ihnen widersprechen, das ist klar; gut, ich erkenne Ihr Argument an, das einzig mögliche in Ihrer Lage, obwohl ich glaube, ich könnte Ihnen beweisen, dass es nur ein Sophisma ist. Doch das zu anderer Zeit, wir werden noch eine Gelegenheit haben, und ich hoffe, dass Sie mir die Revanche gestatten werden. Im Augenblick nur soviel: wenn Ihr Herbeiführen der Niederlage und die Niederlage der Sowjetunion selbst nur den Zweck hat, den Sozialismus, den wirklichen Sozialismus, also nach Ihnen den Trotzkismus, durchzusetzen, so ist in dem Augenblick eine solche Niederlage ziel‑ und zwecklos, wo doch alle Ihre Führer und Kader so konsequent liquidieren würden, wie wir es getan haben. Die Niederlage würde nur die Thronerhebung eines "Führers" oder eines faschistischen Zaren zur Folge haben, nicht war?
Rak.: In der Tat, Ihr Schluss ist richtig.
Kuz.: Nun, wie ich glaube, beweist das deutlich, dass wir schon viel erreicht haben. Ich, der Stalinist, und Sie, der Trotzkist, haben das Unmögliche möglich gemacht und sind zu einem Punkt gelangt, in dem wir übereinstimmen. Wir stimmen darin überein, dass heute die Sowjetunion nicht besiegt werden darf.
Rak.: Ich bekenne, ich habe nicht geglaubt einem so intelligenten Manne gegenüber zu sitzen. In der Tat, für jetzt und noch für viele Jahre dürfen wir die Niederlage der Sowjetunion weder wünschen noch herbeiführen, denn heute ‑ soviel ist sicher ‑ wären wir gar nicht in der Lage, sie für eine Machtergreifung auszunutzen. Wir, Kommunisten, hätten keinen Vorteil davon. So ist die Lage wirklich, ich stimme darin mit Ihnen überein. Die Zerstörung des stalinistischen Staates kann uns heute nicht bewegen. Ich sage das, indem ich noch einmal betone, dass dieser Staat am allermeisten antikommunistisch ist. Sie sehen, ich bin offen.
Kuz.: Ich erkenne es, und das ist auch der einzige Weg, damit wir uns verstehen. Ich bitte Sie jedoch noch um eine Erklärung für etwas, was ich als einen Widerspruch in sich empfinde: Wenn für Sie der sowjetische Staat der am meisten antikommunistische ist ‑ warum wünschen Sie heute nicht seine Zerstörung? Ein anderer wäre doch weniger antikommunistisch, also ein geringeres Hindernis, damit Sie Ihren reinen Kommunismus einführen könnten.
Rak.: Nein, das ist eine allzu vereinfachte Deduktion. Auch wenn Stalins Bonapartismus dem Kommunismus so entgegengesetzt ist wie Napoleon der Revolution, ist es augenfällig, dass die Sowjetunion doch weiter eine kommunistische Lehre und Form hat; sie hat einen formalen, keinen realen Kommunismus. Und wie das Verschwinden Trotzkis es Stalin erlaubte, automatisch den realen in den formalen Kommunismus zu verwandeln, so wird das Verschwinden Stalins uns erlauben, seinen formalen in einen realen Kommunismus zu verwandeln. Eine Stunde würde uns genügen. Haben Sie mich verstanden?
Kuz.: Ja, natürlich. Sie haben uns eine klassische Wahrheit gesagt, nämlich dass niemand zerstört, was er zu erben wünscht. Nun gut, das alles ist ein sophistisches Gespinst. Es gründet sich auf eine Annahme, die von den Tatsachen widerlegt wird, nämlich auf Stalins Antikommunismus. Gibt es Privateigentum in der Sowjetunion? Gibt es persönlichen Mehrwert? Gibt es Klassen? Ich will nicht mehr Tatsachen anführen ‑ wozu auch.
Rak.: Ich habe Ihnen das Bestehen eines Formalkommunismus ja zugestanden. Alles, was Sie anführen, sind hohle Formen.
Kuz.: So? Und zu welchem Zweck? Etwa aus bloßer Laune?
Rak.: Nein, es ist eine Notwendigkeit! Es ist nicht möglich, die materialistische Entwicklung der Geschichte aufzuhalten, um so weniger, je mehr man sie zu bremsen wünscht. Und mit welchen Kosten! Auf Kosten dessen, dass man sie in der Theorie annehmen muss, um sie in der Praxis zu hintertreiben. So unbesiegbar ist die Kraft, die die Menschheit zum Kommunismus drängt, dass nur sie es vermag, gegen sich selbst gekehrt, die Schnelligkeit der Entwicklung, genauer gesagt das Fortschreiten der permanenten Revolution, aufzuhalten.
Kuz.: Ein Fall?
Rak.: Hitler. Das ist der offensichtlichste Fall. Er benötigte den Sozialismus, um den Sozialismus zu besiegen. Daher sein antisozialistischer Sozialismus ‑ das nämlich ist der Nationalsozialismus. Stalin braucht einen Kommunismus, um den Kommunismus zu besiegen. Daher sein antikommunistischer Kommunismus, denn das ist sein Nationalkommunismus. Die Parallele fällt ins Auge. Aber trotz des Antisozialismus' Hitlers und des Antikommunismus' Stalins, schaffen beide, gegen ihren Willen, doch Sozialismus und Kommunismus und viel mehr. Ob sie wollen oder nicht, ob sie es wissen oder nicht, bauen sie einen formalen Sozialismus und einen formalen Kommunismus, den wir, die Erben von Marx, schicksalhaft erben müssen.
Kuz.: Beerben? Aber wer erbt denn? Die Liquidierung des Trotzkismus ist vollständig.
Rak.: Auch wenn Sie das sagen, glaube ich es nicht, wie riesenhaft auch die "Säuberungen" sind ‑ wir Kommunisten überleben sie doch. Wie lang auch die Arme der Ochrana Stalins sind, sie kann nicht alle Kommunisten erfassen.
Kuz.: Rakowskij, ich bitte Sie, und notfalls befehle ich es Ihnen, sich verletzender Anspielungen zu enthalten. Missbrauchen Sie nicht Ihre diplomatische Immunität !
Rak.: Nanu, bin ich noch bevollmächtigter Minister? Botschafter? Von wem?
Kuz.: Genau gesagt, von diesem unerreichbaren Trotzkismus, wenn wir ihn so nennen wollen.
Rak.: Vom Trotzkismus, auf den Sie anspielen, kann ich nicht bevollmächtigt sein; er hat mir seine Vertretung nicht übertragen, und ich habe sie mir nicht genommen. Sie haben sie mir gegeben.
Kuz.: Ich fange an zu vertrauen. Ich notiere zu Ihren Gunsten, dass, als ich auf den Trotzkismus anspielte, Sie seine Existenz nicht bestritten haben. Das ist ein guter Anfang.
Rak.: Wie sollte ich es bestreiten? Ich war es ja, der ihn erwähnt hat.
Kuz.: Nachdem wir das Bestehen eines sehr besonderen Trotzkismus durch gegenseitiges Übereinkommen anerkannt haben, wünsche ich, dass Sie mir einige Hinweise geben, um die angeführten Übereinstimmungen auszuwerten.
Rak.: In der Tat, ich kann hinweisen auf das, was mir zur Sache zu gehören scheint, ohne versichern zu können, dass das immer genau der Gedankengang von "Jenen" ist.
Kuz.: So habe ich es also zu erwägen.
Rak.: Wir sind darin einig geworden, dass für jetzt die Opposition an Niederlagen oder dem Sturz von Stalin nicht interessiert sein kann, denn wir haben nicht die physische Möglichkeit, ihn zu ersetzen. Darin stimmen wir beide überein. Nun aber eine unbestrittene Tatsache: Der potentielle Angreifer besteht. Da ist dieser große Nihilist Hitler, der die gefährliche Pistole der Wehrmacht gegen den ganzen Horizont richtet. Mit oder ohne unser Zutun ‑ wird er gegen die Sowjetunion das Feuer eröffnen? Lassen Sie uns übereinkommen, dass das für uns die entscheidende Unbekannte ist. Halten Sie das Problem so richtig formuliert?
Kuz.: Es ist richtig gestellt. Jedoch für mich gibt es dabei keine entscheidende Unbekannte. Ich halte den Angriff Hitlers auf die Sowjetunion für unbedingt sicher.
Rak.: Warum?
Kuz.: Einfach deswegen, weil der, der ihm Befehle gibt, es so anordnet. Hitler ist nur ein Kondottiere des internationalen Kapitalismus.
Rak.: Ich gestehe die Existenz der Gefahr ein, aber von da bis zur Verkündung, das ein Angriff Hitlers auf die Sowjetunion unbedingt sicher sei, klafft ein Abgrund.
Kuz.: Den Angriff auf die Sowjetunion bestimmt schon das innerste Wesen des Faschismus selbst; außerdem drängen ihn dazu alle kapitalistischen Staaten, die ihn zu seiner Wiederaufrüstung ermächtigt haben sowie zur Besitzergreifung aller wirtschaftlichen und strategischen Basen dafür. Das ist zu augenfällig.
Rak.: Sie vergessen etwas sehr Wichtiges: Die Wiederaufrüstung Hitlers und die Möglichkeiten und Straflosigkeiten, die ihm die Versailler Nationen bis jetzt gegeben haben, merken Sie wohl, haben sie ihm in einer besonderen Zeit gegeben ... nämlich als die Opposition noch da war, als wir noch einen besiegten Stalin hätten beerben können. Halten Sie dies für ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen?
Kuz.: Ich sehe keine Verbindung zwischen der Tatsache, dass die Nationen von Versailles die deutsche Wiederaufrüstung gestattet haben, und dem Bestehen der Opposition. Die Tragweite des Hitlerismus ist in sich völlig klar und logisch. Der Angriff auf die Sowjetunion findet sich seit ältester Zeit in seinem Programm. Die Zerstörung des Kommunismus und die Ausdehnung nach Osten sind ein Dogma in "Mein Kampf", diesem Talmud des Nationalsozialismus. Und dass Ihre Politik der Niederlage diese bekannte Drohung hat benutzen wollen, ist angesichts Ihrer Gesinnung natürlich.
Rak.: Ja, auf den ersten Blick erscheint das alles logisch und natürlich, aber allzu logisch und natürlich, als dass es stimmen könnte.
Kuz.: Damit es nicht so wäre, damit uns Hitler nicht angreift, müssten wir auf das Bündnis mit Frankreich vertrauen . . . und das wäre gewiss geistvoll. Das wäre so dumm, als wollte man darauf vertrauen, dass der Kapitalismus sich zur Rettung des Kommunismus opfern wollte.
Rak.: Wenn man ohne größere politische Kenntnisse als diejenigen einer Massenversammlung diskutiert, haben Sie ganz recht. Aber wenn das Ihr Ernst ist ‑ entschuldigen Sie, dann bin ich enttäuscht. Ich hielt die politische Bildung der berühmten Polizei Stalins für besser.
Kuz.: Der Angriff des Hitlerismus auf die Sowjetunion ist außerdem eine dialektische Notwendigkeit; es heißt soviel, wie den schicksalhaften Klassenkampf auf die internationale Ebene zu heben. Die ganze kapitalistische Welt wird notgedrungen hinter Hitler stehen.
Rak.: So, angesichts Ihrer scholastischen Dialektik, bilde ich mir eine Vorstellung von einer noch armseligeren politischen Bildung des Stalinismus. Ich höre Sie sprechen, wie etwa Einstein einen Gymnasiasten über die vierdimensionale Physik sprechen hören würde. Ich sehe, dass Sie vom Marxismus bloß Grundwissen haben, das demagogische und populäre.
Kuz.: Falls es nicht zu lang und zu dunkel sein sollte, bitte ich Sie, mir etwas von dieser "Relativität" und "Quantentheorie" des Marxismus zu enthüllen.
Rak.: Keine Ironie! Ich spreche getragen von einem besseren Wunsche. In diesem gleichen Elementar‑Marxismus, den man Ihnen noch auf Stalins Universitäten beibringt, können Sie einen Grund finden, die Ihrer These über die Gewissheit des Angriffes Hitlers auf die Sowjetunion widerspricht. Man lehrt ja immer noch als Eckstein des Marxismus, dass der innere Widerspruch die unheilbare und tödliche Krankheit des Kapitalismus ist ‑ oder nicht?
Kuz.: Das stimmt.
Rak.: Und wenn dem so ist, wenn der Kapitalismus am dauernden inneren Widerspruch auf wirtschaftlichem Gebiet leidet? Das wirtschaftliche und das politische Gebiet sind keine Einheiten in sich, es sind Zustände oder Dimensionen der sozialen Einheit, und die inneren Widersprüche entstehen auf dem sozialen Gebiet und wirken sich auf wirtschaftlichem oder politischem Gebiet aus, oder, je nach dem, auch auf beiden. Es wäre absurd, Fehlbarkeit auf wirtschaftlichem Gebiet, aber Unfehlbarkeit auf politischem Gebiet annehmen zu wollen, etwa als Voraussetzung dafür, dass sich Ihre These vom Angriff auf die Sowjetunion bestätigt.
Kuz.: So bauen Sie in allem auf den inneren Widerspruch, die Schicksalhaftigkeit, den unvermeidlichen Irrtum, denen die Bourgeoisie unterliegen muss, sollte der Angriff Hitlers auf die Sowjetunion vermieden werden. Ich bin Marxist, Rakowskij, aber hier unter uns, und ohne irgend einen Kämpfer beleidigen zu wollen, sage ich Ihnen, dass ich bei all meinem Glauben an Marx doch die Existenz der Sowjetunion nicht einem Irrtum ihrer Feinde zuschreiben möchte ‑ und Stalin wohl auch nicht.
Rak.: Ich aber doch ... Nein, sehen Sie mich nicht so an, ich mache weder Scherze, noch bin ich verrückt.
Kuz.: Gestatten Sie mir wenigstens meine Zweifel zu hegen, solange Sie mir nicht Ihre Behauptung bewiesen haben.
Rak.: Sehen Sie, wie recht ich hatte, Ihre marxistische Bildung für mittelmäßig zu halten? Ihre Gründe und Reaktionen sind doch diejenigen eines Kämpfers aus Reih und Glied.
Kuz.: Und sind sie nicht wahr?
Rak.: Ja, wahr für den kleinen Zellenobmann, den Bürokraten und die Masse. Angebracht für die Leute, die in Reih und Glied kämpfen ... Die müssen das glauben und buchstäblich wiederholen... Hören Sie mich vertraulich ‑ es geht mit dem Marxismus wie mit den antiken esoterischen Religionen; ihre Gläubigen mussten auch nur das Elementare, ja das Grobe kennen, wenn man den Glauben erwecken wollte, der etwas absolut Notwendiges ist, in der Religion wie in der Revolution.
Kuz.: Werden Sie mir nicht jetzt einen mysteriösen Marxismus enthüllen wollen, etwas wie ein neues Freimaurertum?
Rak.: Nein, nichts von Esoterik. Im Gegenteil ‑ ich werde es Ihnen mit der Klarheit des hellen Sonnenstrahls zeigen. Der Marxismus, noch ehe er ein philosophisches System, ein System der Wirtschaft oder Politik ist, ist eine Verschwörung für die Revolution. Und da die Revolution für uns die einzige absolute Wirklichkeit ist, so sind Philosophie, Wirtschaft und Politik nur insoweit Wahrheit, als sie zur Revolution führen. Die innere, sagen wir die subjektive Wahrheit in der Philosophie, Wirtschaft, Politik und auch in der Moral besteht überhaupt nicht, sie kann nur Wahrheit oder Irrtum im Sinne wissenschaftlicher Abstraktion sein. Diese aber ist für uns der Dialektik der Revolution untergeordnet ‑ der einzigen Wirklichkeit und darum der einzigen Wahrheit, und darum muss sie es auch für jeden echten Revolutionär, also auch für Marx, sein und sich also auch so auswirken. Erinnern Sie sich jenes Satzes von Lenin, als jemand ihm entgegenhielt, dass seine Absicht der Wirklichkeit entgegen stünde?
"Ich spüre es durch die Wirklichkeit" sagte er. Glauben Sie, dass Lenin eine Albernheit gesagt hat? Nein, für ihn war jede Wirklichkeit relativ gegenüber der einen und absoluten: der Revolution.
Marx war genial. Wenn sein Werk nur eine gründliche Kritik des Kapitals wäre, so stellte es schon eine wissenschaftliche Leistung ohnegleichen dar; aber wo es die Kategorie der Meisterwerke erreicht, da wird es zur ironischen Schöpfung: "Der Kommunismus muss triumphieren, weil sein Feind, das Kapital, ihm den Triumph verschafft." Das ist die Leitthese von Marx. Gibt es eine größere Ironie? Damit man ihm glaubte, genügte es, den Kapitalismus und den Kommunismus zu entpersönlichen, das menschliche Wesen in ein rationales Wesen zu verwandeln wie ein wunderbarer Taschenspieler. Das war sein geniales Hilfsmittel, um den Kapitalisten, die die Wirklichkeit des Kapitals darstellen, zu sagen, dass der Kommunismus durch ihre angeborene Idiotie triumphieren würde. Denn ohne die dauernde Idiotie des 'homo oeconomicus' kann es in ihm nicht den von Marx proklamierten dauernden inneren Widerspruch geben. Zu erreichen, dass der 'homo sapiens' sich in den 'homo stultus' verwandelt, heißt eine magische Macht zu besitzen, heißt fähig zu sein zu bewirken, dass der Mensch auf der zoologischen Leiter wieder bis zur untersten Stufe herabsteigt, nämlich zur Bestie. Nur weil die Existenz des 'homo stultus' in dieser Epoche der Höhe des Kapitalismus gegeben ist, kann Marx seine axiomatische Gleichung formulieren: Innerer Widerspruch + Zeit = Kommunismus. Glauben Sie mir, wenn wir Eingeweihten ein Bild von Marx sehen, selbst wenn es sich hier über dem Haupteingang der Lubjanka brüstet, können wir einen inneren Lachanfall nicht unterdrücken ‑ wir sehen ihn hinter seinem Bartfilz über die ganze Menschheit lachen.
Kuz.: Sind Sie tatsächlich im Stande, sich über den wunderbarsten Gelehrten der Epoche lustig zu machen?
Rak.: Ich mich lustig machen? Nein ‑ das ist Bewunderung! Damit es Marx glücken konnte, so viele Männer der Wissenschaft zu täuschen, musste er ihnen allen überlegen sein. Jetzt aber, um Marx in seiner ganzen Größe beurteilen zu können, müssen wir uns den wirklichen Marx anschauen, den Revolutionär, den Marx des kommunistischen Manifestes. Das heißt Marx den Konspirator, denn während seines ganzen Lebens lebte die Revolution ja schon im Zustand der Konspiration. Nicht umsonst dankt ja die Revolution ihre Erfolge und endlichen Siege diesen Männern der konspirativen Arbeit.
Kuz.: Leugnen Sie also den dialektischen Prozess der inneren Widersprüche des Kapitalismus im Endtriumph des Kommunismus?
Rak.: Seien Sie versichert, dass, wenn Marx geglaubt hätte, dass der Sieg des Kommunismus lediglich durch den inneren Widerspruch im Kapitalismus kommen würde, so hätte er den inneren Widerspruch gewiss nicht ein einziges Mal auf den Tausenden von Seiten seines wissenschaftlich‑revolutionären Werkes erwähnt. Das wäre ein kategorischer Imperativ der wirklichen, nämlich revolutionären, nicht der wissenschaftlichen Natur von Marx gewesen. Ein Revolutionär, ein Konspirateur enthüllt doch niemals dem Gegner das Geheimnis seines Sieges. Er gibt ihm doch niemals Information ‑ er gibt ihm "Desinformation", wie Sie es in der Gegenspionage zu tun pflegen. Nicht war?
Kuz.: Damit kommen wir also nach Ihrer Darstellung zu dem Schluss, dass es keine Widersprüche im Kapitalismus gibt, und dass, wenn Marx auf solche hinweist, dies nur ein strategisch‑revolutionäres Hilfsmittel ist. So ist es doch? Aber die kolossalen, dauernd zunehmenden Widersprüche im Kapitalismus sind doch vorhanden. Daraus ergibt sich also, dass Marx lügend die Wahrheit sagte.
Rak.: Sie werden als Dialektiker gefährlich, wenn Sie den Zügel der scholastischen Dogmatik zerreißen und Ihrem eigenen Ingenium freie Bahn lassen. Es stimmt ‑ Marx sagte lügend die Wahrheit. Er log, als er den Irrtum, den inneren Widerspruch als "Konstante" der Wirtschaftsgeschichte des Kapitals proklamierte und sie für "natürlich und schicksalhaft" erklärte; jetzt aber: er sagte die Wahrheit, denn er wusste bereits, dass die Widersprüche sich in steigendem Maße produzieren und vermehren würden bis zu ihrem Höhepunkt.
Kuz.: Dann.... werden Sie jetzt antithetisch.
Rak.: Hier besteht keine Antithese. Marx täuscht aus taktischen Gründen über den Ursprung der Widersprüche im Kapitalismus, nicht über ihr augenfälliges Bestehen hinweg. Marx wusste, wie sie sich erzeugen, verschärfen und endlich die totale Anarchie der kapitalistischen Produktion als Einleitung zum Triumph der kommunistischen Revolution bewirken würden. Er wusste, dass sie sich ereignen würden, weil er diejenigen kannte, die sie produzierten.
Kuz.: Es ist eine eigenartige Neuheit, jetzt zu entdecken, dass es nicht das Wesen und ihm eingeborene Gesetz des Kapitalismus ist, das ihn dazu bringt, sich "selbst zu töten", wie es mit einer glücklichen Formulierung, Marx bestätigend, ein bürgerlicher Wirtschaftswissenschaftler, Schmalenbach, ausgesprochen hat. Aber mich interessiert sehr, ob wir so zum Persönlichen kommen werden.
Rak.: Haben Sie es noch nicht gespürt? Haben Sie nicht bemerkt, wie sich bei Marx Wort und Werk widersprechen? Er proklamiert die Notwendigkeit, ja Schicksalhaftigkeit des inneren Widerspruches im Kapitalismus und weist auf den Mehrwert und die Akkumulation des Kapitals hin. Er weist so auf eine echte Wirklichkeit hin. Der größeren Konzentration der Produktionsmittel ‑ sagt er scharfsinnig ‑ entspricht die größere proletarische Masse, die größere Kraft, um den Kommunismus durchzusetzen, nicht war? ‑ Nur aber, zur gleichen Zeit, da er dies proklamiert, gründet er die Internationale. Und die Internationale ist im Klassenkampf des Tages "reformistisch", das heißt, eine Organisation, um den Mehrwert zu begrenzen, und, wenn möglich, zu beseitigen. Daher ist objektiv die Internationale nach der Theorie von Marx eine konterrevolutionäre, antikommunistische Organisation.
Kuz.: Und das bedeutet, dass Marx ein Konterrevolutionär, ein Antikommunist war?
Rak.: Da sehen Sie, wie man eine bloße marxistische Elementarbildung ausbeuten kann. Die Internationale als konterrevolutionär und antikommunistisch mit logischer und doktrinärer Klarheit zu bezeichnen, das bedeutet in den Tatsachen nur ihre sichtbare und sofortige Wirkung, in den Texten nur den Buchstaben zu sehen. Zu so absurden Ergebnissen kommt man, gerade weil sie einleuchtend zu sein scheinen, wenn man vergisst, dass Worte und Taten im Marxismus den strengen Regeln der höheren Wissenschaft untergeordnet sind: den Regeln der Konspiration und der Revolution.
Kuz.: Werden wir endlich zu einem Schluss kommen?
Rak.: Gleich. Wenn der Klassenkampf auf wirtschaftlichem Gebiet in seiner nächsten Wirkung reformistisch und daher den ersten theoretischen Voraussetzungen für den Durchbruch des Kommunismus entgegengesetzt scheint, so ist er in seiner echten und wirklichen Bedeutung rein revolutionär. Aber, wie ich noch einmal wiederhole, den Regeln der Konspiration untergeordnet, das heißt dem Verschweigen und Verbergen seines wahren Zieles. Die Beschränkung des Mehrwertes und damit der Akkumulation auf Grund des Klassenkampfes ist nur der Schein, eine Art Spiegelfechterei, um die erste revolutionäre Bewegung der Masse auszulösen. Der Streik ist schon ein Versuch zur revolutionären Mobilmachung. Unabhängig davon, ob er gelingt oder scheitert, ist seine wirtschaftliche Wirkung anarchisch. Endlich ist dieses Mittel zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage einer Klasse in sich schon eine Verarmung der allgemeinen Wirtschaft; ganz gleich wie Umfang und Ergebnis eines Streikes sind, ist er immer ein Aderlass der Produktion. Allgemeines Ergebnis: mehr Elend, aus dem sich die Arbeiterklasse nicht befreit. Das ist schon etwas. Aber das ist nicht die einzige Wirkung, nicht einmal die Hauptwirkung. Wie wir wissen, ist das einzige Ziel des Klassenkampfes auf wirtschaftlichem Gebiet, mehr zu verdienen und weniger zu arbeiten. Ins Wirtschaftliche übersetzt: mehr zu verbrauchen und weniger zu erzeugen. Ein so absurdes Wirtschaftsverfahren ‑ nach unserem Lexikon ein solcher "innerer Widerspruch" ‑, unbemerkt von den Massen, die im Augenblick durch eine Lohnerhöhung verblendet sind, wird automatisch durch eine Preiserhöhung ausgeglichen, selbst dann, wenn diese mit staatlichem Zwang eingeschränkt wird; der Widerspruch, mehr verbrauchen als erzeugen zu wollen, wird durch einen anderen ausgeglichen: die Inflation des Geldes. Und so ruft man diesen circulus vitiosus von Streik, Hunger, Inflation, Hunger immer wieder hervor.
Kuz.: Außer, wenn der Streik auf Kosten des Mehrwertes vom Kapitalismus stattfindet.
Rak.: Theorie, reine Theorie! Unter uns gesagt, nehmen Sie irgendein Wirtschaftsjahrbuch irgendeines Landes und teilen Sie den Ertrag unter die Lohnempfänger und Sie werden sehen, was für ein "außerordentlicher" Quotient dabei herauskommt. Dieser Quotient ist das Konterrevolutionärste der Welt, und wir müssen ihn als größtes Geheimnis hüten. Denn wenn wir von der theoretischen Dividende die Löhne und die Direktionskosten, die ja durch die Beseitigung des Eigentümers erforderlich werden, abziehen, so bleibt fast immer eine passive Dividende für die Proletarier. Mehr noch, wenn wir die Verminderung des Produktionsvolumens und das Absinken der Qualität einsetzen. Wie Sie sehen, ist die Behauptung, dass der Streik ein Kampf für das unmittelbare Wohlsein des Proletariats sei, nur ein Vorwand, ein notwendiger Vorwand, um Sabotage an der kapitalistischen Produktion zu betreiben. Dadurch vereint man die Widersprüche des bürgerlichen und des proletarischen Systems und schafft eine doppelte Waffe der Revolution. Es liegt auf der Hand, dass dies nicht von selbst eintreten kann, denn es besteht eine Organisation, Führer, Disziplin und vor allem keine Dummheit. Könnten Sie nicht den Verdacht hegen, dass die berühmten inneren Widersprüche des Kapitalismus, besonders der Finanz, auch von jemandem organisiert sein könnten? Als Grundlage der Einführung erinnere ich Sie daran, dass die proletarische Internationale bei der Auslösung von Inflation mit der Finanz‑Internationale übereinstimmt. Und wo es Übereinstimmung gibt, kann es sich auch um ein Abkommen handeln. Das sind Ihre eigenen Worte.
Kuz.: Ich sehe einen so enormen Widersinn oder den Versuch, ein neues Paradoxon zu entwickeln, dass ich es mir nicht einmal vorstellen könnte. Es scheint, als wollten Sie das Bestehen einer Art kapitalistischen Internationale, einer anderen, nur entgegengesetzten Komintern behaupten.
Rak.: Ganz richtig. Als ich Finanz‑Internationale sagte, personifizierte ich sie genau so, wie wenn man Komintern sagt, aber mit der Anerkennung einer "Kapintern" sage ich nicht, dass sie die Feindin....
Kuz.: Wenn Sie wollen, dass wir die Zeit mit Spitzfindigkeiten und Phantasien vertun, so haben Sie dafür einen schlechten Augenblick gewählt.
Rak.: Glauben Sie vielleicht, ich sei die Lieblingssklavin aus "Tausend und einer Nacht", die Abend für Abend ihre Einbildungskraft verschwendet, um ihr Leben zu retten? Nein, wenn Sie glauben, das ich abschweife, irren Sie. Um aber da hinzukommen, wohin zu gelangen wir uns vorgenommen haben, muss ich Ihnen vorher Klarheit über wichtige Dinge verschaffen angesichts Ihrer völligen Unkenntnis auf dem Gebiet des "höheren Marxismus". Ich kann von einer solchen Klarstellung nicht absehen, denn ich weiß wohl, dass im Kreml die gleiche Unbildung herrscht. Sagen Sie mir, ob ich fortfahren soll.
Kuz.: Sie können fortfahren, aber ich sage Ihnen offen: wenn alles nur auf eine phantasievolle Unterhaltung hinausläuft, wird Ihr Vergnügen einen sehr bösen Epilog haben. Sie sind gewarnt.
Rak.: Ich fahre fort, als hätte ich nichts gehört.
Da Sie ein Scholastiker des "Kapitals" sind und ich Ihre induktiven Begabungen wecken möchte, werde ich Sie an etwas Besonderes erinnern. Beachten Sie, mit welcher Geistesschärfe Marx gegenüber dem rudimentären Industrialismus Englands in seiner Zeit den ganzen zukünftigen riesenhaften Industrialismus ausmalt, wie er ihn analysiert und geißelt, wie abstoßend er den Industriellen malt. Die Phantasie von Ihnen wie von den Massen, wenn sie sich die menschliche Verkörperung des ungeheuerlichen "Kapitals" vor Augen hält, sieht sie so, wie sie Marx gemalt hat: ein dickbäuchiger Industrieller, Brasilzigarre im Maul, zufrieden rülpsend und die Frau oder Tochter des Arbeiters verführend. Ist es nicht so? Andererseits erinnern Sie sich an die Mäßigung von Marx und seine bürgerliche Bravheit, wenn er die Währungsfrage darstellt. Im Gelde erscheinen seine berühmten inneren Widersprüche nicht. Die Finanz, als Einheit in sich, besteht für ihn nicht, und der Handel und Geldumlauf sind für ihn Folge des bösen kapitalistischen Produktionssystems, dem sie völlig untergeordnet und von dem sie bestimmt sind. In der Geldfrage erscheint Marx als Reaktionär, und das war er, zur größten Überraschung, obwohl er jenen fünfzackigen Stern ‑ gleich dem Sowjetstern ‑ vor Augen hatte der ganz Europa mit seinem Glanz erfüllte: die fünf Brüder Rothschild mit ihren Banken, die Herren über die größte Akkumulation des Kapitals, die die Welt bisher gesehen hatte. An dieser ungeheuren Tatsache, die die Einbildungskraft jener Zeit blendete, geht Marx unbemerkt vorüber. Das ist doch sonderbar nicht? Vielleicht ergibt sich aus dieser besonderen Blindheit von Marx ein gemeinsames Phänomen in den Revolutionen der letzten Zeit. Wir alle können beweisen, dass, wenn die Massen sich einer Stadt oder Nation bemächtigen, sie immer eine fast abergläubische Furcht vor Banken und Bankiers zeigen. Sie haben Könige, Generale, Bischöfe, Polizisten, Priester und andere Vertreter der gehassten Vorrechte umgebracht, haben Kirchen, Paläste und sogar Stätten der Wissenschaft geplündert und in Brand gesetzt, aber als wirtschaftlich‑soziale Revolutionäre haben sie das Leben der Bankiers respektiert und die prächtigen Bankgebäude unverletzt gelassen. Nach meinen Aufzeichnungen bis zu meiner Verhaftung wiederholt sich heute das Gleiche.
Kuz.: Wo?
Rak.: In Spanien. Wissen Sie das nicht? Und jetzt sagen Sie mir: kommt Ihnen das alles nicht ganz außergewöhnlich vor? Ich weiß nicht, ob Sie die sonderbare Ähnlichkeit von Internationaler Finanz und Internationalem Proletariat bemerkt haben. Man könnte sagen, dass das eine ein Spiegelbild des anderen ist, und wenn es ein Spiegelbild ist, dann ist es das Proletariat, denn es ist moderner als die Finanz.
Kuz.: Wo sehen Sie eine Ähnlichkeit bei so entgegengesetzten Dingen?
Rak.: Objektiv gesehen sind sie identisch. Ja, wie ich gezeigt habe, ist es die Komintern, unterstützt von den Reformisten und dem ganzen Gewerkschaftswesen, die die Anarchie der Produktion, die Inflation, das Elend und die Verzweiflung der Massen hervorruft, und die Internationale Finanz, bewusst oder unbewusst von der Privatfinanz unterstützt, schafft die gleichen Bedingungen, nur vervielfacht. Wir können uns schon die Gründe vorstellen, warum Marx die inneren Widersprüche der Finanz vertuschte, die seiner scharfsinnigen Beobachtung gar nicht verborgen bleiben konnten, wenn er in der Finanz einen Verbündeten gefunden hatte, dessen Handeln objektiv betrachtet revolutionär ist und damals schon von außerordentlicher Bedeutung war.
Kuz.: Unbewusstes Zusammentreffen ‑ kein Bündnis, das eine Verständigung, Willensübereinstimmung, Vertrag voraussetzen würde.
Rak.: Wenn es Ihnen recht ist, vertagen wir diesen Aspekt. Jetzt ist es besser, zur subjektiven Analyse der Finanz überzugehen, oder besser, schauen wir uns die Persönlichkeit ihrer Vertreter an. Es ist genügend bekannt, dass das Geld seinem Wesen nach international ist. Aus dieser Wirklichkeit ergibt sich, dass die Einheit, die es besitzt und "sublimiert" kosmopolitisch ist. Die Finanz auf ihrem Höhepunkt, als Selbstzweck, die Internationale Finanz verneint die Nationalität und erkennt sie nicht an. Sie erkennt auch den Staat nicht an ‑ daher ist sie, objektiv gesehen, anarchisch, und würde es restlos sein, wenn sie, die jeden nationalen Staat verneint, nicht notwendigerweise selbst ihrem Wesen nach ein Staat wäre. Der reine Staat ist nur noch Macht. Und das Geld ist reine Macht, das Geld ist Staat. Der kommunistische Überstaat, an dem wir seit einem Jahrhundert bauen und dessen Schema die Internationale von Marx ist, analysiert ihn und lässt sein Wesen erkennen. Der Entwurf, das Schema, die Internationale und ihr Prototyp, die Sowjetunion, sind auch reine Macht. Die wesenhafte Identität beider Schöpfungen ist vollkommen. Das ist etwas Schicksalhaftes; denn die Persönlichkeit ihrer Urheber war auch identisch: Finanzmann und Kommunist sind beide Internationalisten. Beide, mit verschiedenen Begründungen und verschiedenen Mitteln, bekämpfen den bürgerlichen Nationalstaat. Der Marxist, um ihn in den kommunistischen Überstaat einzugliedern, deshalb nämlich ist er Internationalist; der Finanzmann verneint den bürgerlichen Nationalstaat, und seine Verneinung scheint ihm Selbstzweck zu sein; eigentlich aber ist er kein Internationalist, sondern ein anarchischer Kosmopolit. Das ist sein Anschein heute ‑ aber wir werden bald sehen, was er ist und will. Im Negativen, wie Sie sehen, gibt es eine individuelle Identität der internationalen Kommunisten und der kosmopolitischen Finanzmänner; als natürliche Folge besteht sie auch zwischen der kommunistischen Internationale und der Finanz‑Internationale.
Kuz.: Zufällige subjektive Ähnlichkeit und objektiv in ihren Gegnern, die aber im Grundlegenden und Wesenhaften zerbricht.
Rak.: Erlauben Sie mir, jetzt nicht zu antworten, um die logische Ordnung nicht zu zerstören. Ich will nur das Grundaxiom unterstreichen; Geld ist Macht. Geld ist heute der Mittelpunkt der Gravitation in der Welt. Ich glaube, Sie stimmen damit überein?
Kuz.: Fahren Sie fort, Rakowskij, ich bitte Sie.
Rak.: Zu wissen, wie die Internationale der Finanz dazu kam, Herr des Geldes zu werden, dieses magischen Talismans, der bis in unsere Zeit für die Menschen in steigender Entwicklung das geworden ist, was einst Gott und Nation waren, das ist etwas, das an wissenschaftlichem Interesse sogar die Kunst der revolutionären Strategie übertrifft ‑ denn es ist auch Kunst und auch Revolution. Ich werden es Ihnen auseinandersetzen. Als die Augen der Geschichtsschreiber und der Masse durch das Geschrei und den Erfolg der Französischen Revolution geblendet waren, das Volk trunken war vom Sieg, den König samt den Privilegierten und aller ihrer Macht gestürzt zu haben, da hatten sie nicht bemerkt, dass eine Handvoll Menschen, schweigsam, vorsichtig, unauffällig sich der wirklichen Macht des Königtums bemächtigt hatten, einer magischen, fast göttlichen Macht, die es besessen hatte, ohne es zu wissen. Die Massen bemerkten nicht, dass Fremde für sich diese Macht ergriffen hatten, die sie alsbald zu einer viel härteren Sklaverei als unter dem König zwingen würde, denn dieser war durch seine religiösen und moralischen Bindungen und seine Torheit gar nicht fähig gewesen, solche Macht zu gebrauchen. Daher kam es, dass sich der größten Macht des Königs solche Männer bemächtigten, deren moralische, intellektuelle und kosmopolitische Beschaffenheit es ihnen ermöglichte, sie zu handhaben. Natürlich waren es jene, die von Geburt keine Christen, wohl aber Kosmopoliten waren.
Kuz.: Was kann diese mythische Macht sein, deren sie sich bemächtigten?
Rak.: Sie nahmen das königliche Privileg, Münzen zu prägen, an sich... Lächeln Sie nicht, dass ich nicht glauben muss, Sie wüssten nicht, was die Münze wirklich ist. Ich bitte Sie, sich einmal in meine Lage zu versetzen. Meine Stellung Ihnen gegenüber gleicht der eines Arztes, der einem anderen, vor Pasteur aus dem Tode erweckten Arzt die Bakteriologie erklären sollte. Aber ich begreife Ihre Unkenntnis und entschuldige sie. Eine Sprache, die mit Worten jongliert, welche falsche Vorstellungen über Dinge und Taten erwecken, kann keine wirklichen, exakten Begriffe vermitteln. Ich habe die Münze genannt, ‑ natürlich erschien vor Ihrem inneren Auge sofort die Gestalt der physischen Münze aus Metall oder Papier. Nicht doch! Das ist das Geld nicht! Die im Umlauf befindliche physische Münze ist ein richtiger Anachronismus. Wenn sie noch besteht und umläuft, so geschieht es durch einen Atavismus, nur weil es praktisch ist, eine Illusion, heute eine reine Fiktion der Phantasie, aufrecht zu erhalten.
Kuz.: Ein so brillantes Paradoxon ist kühn, beinahe poetisch.
Rak.: Wenn Sie wollen, brillant, aber es ist kein Paradoxon, was ich da sage. Auch ich weiß ‑ und das ließ Sie wohl lächeln ‑ dass heute noch die Staaten auf Metallstücke oder Papier die Bilder ihrer Könige oder ihre Landeswappen prägen ‑ doch was bedeutet das schon? Die große Menge des umlaufenden Geldes, das Geld der großen Transaktionen, die Vertretung des nationalen Reichtums, Münze, jawohl Münze haben jene Männer, auf die ich anspielte, auszugeben verhindert. Titel, Anweisungen, Schecks, Wechsel, Indossements, Diskont, Kurse, Zahlen und immer wieder Zahlen, das hat, wie ein entfesselter Wasserfall, die Völker überschwemmt. Was war demgegenüber schon das Metallgeld und das Papiergeld? "Jene" aber als sehr feine Psychologen kamen bei der Straflosigkeit der allgemeinen Unwissenheit zu viel mehr. Noch über die riesige Reihe des Finanzgeldes hinaus, um ihm einen Umfang bis zum Unendlichen zu geben und es mit der Schnelligkeit des Gedankens auszustatten, schufen sie das Kreditgeld... eine Abstraktion, ein gedachtes Wesen, eine Ziffer... Kredit, Glauben... Verstehen Sie es schon? Betrug, falsches Geld mit gesetzlichem Kurs ... Mit anderen Worten, um mich besser verständlich zu machen, Banken und Börsen und das ganze Finanzsystem sind eine gigantische Maschine, um eine Ungeheuerlichkeit gegen die Natur zu begehen, wie Aristoteles es bezeichnet hat, nämlich das Geld wieder Geld erzeugen lassen, etwas, das einmal ein Verbrechen gegen die Wirtschaft, im Fall der Finanzleute auch ein Verbrechen gegen das Strafgesetzbuch ist, denn es ist Wucher. Ich weiß schon, was nun der Gegeneinwand sein wird, nämlich, dass sie einen gesetzlichen Zins beziehen. Auch wenn man dies zugesteht ‑ und das heißt viel zugestehen ‑ so bleibt der Wucher der gleiche; denn wenn der Zins, den sie nehmen, gesetzlich ist, so täuschen Sie fälschend ein gar nicht existierendes Kapital vor. Die Banken haben immer, geliehen oder in produktiver Bewegung, eine Menge Kreditgeld, Geld in Zahlen, die fünf- bis hundertmal größer ist als die Summe des ausgegebenen physischen Geldes. Ich will nicht von den Fällen sprechen, in denen das Kreditgeld ‑ das fabrizierte Falschgeld! ‑ das als Kapital eingezahlte Geld übertrifft. Wenn man aber berücksichtigt, dass nicht das wirkliche Kapital, sondern das nicht existente Kapital Zinsen bringt, dann muss der Zins um so viel mal unberechtigter sein als das wirkliche Kapital durch diese Fälschung vervielfacht ist ... Und berücksichtigen Sie bitte, dass das System, das ich darlege, noch das unschuldigste ist, um Falschgeld herzustellen. Stellen Sie sich, wenn Sie können, einige wenige Menschen vor mit einer unumschränkten Macht zum Besitz realer Güter, und es werden unumschränkte Diktatoren des Wertes im Umsatz sein, also Diktatoren der Erzeugung und Verteilung, und daher der Arbeit und des Verbrauches. Wenn Ihre Vorstellungskraft das gestattet, stellen Sie sich das im Weltmaßstab vor und Sie werden die auf sozialem und moralischem Gebiet anarchische, also revolutionäre Wirkung erkennen. Verstehen Sie nun?
Kuz.: Nein, noch nicht.
Rak.: Natürlich ‑ es ist sehr schwer, Wunder zu verstehen.
Kuz.: Wunder?
Rak.: Ja, Wunder! Ist es kein Wunder, wenn sich eine Holzbank in eine Kathedrale verwandelt? Solch ein Wunder aber haben die Menschen im letzten Jahrhundert tausendmal erlebt, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Denn es ist ein staunenerregendes Wunder, dass die Bänke, an denen schmierige Wucherer saßen und mit ihrem Gelde handelten, zu Tempeln wurden, die ihre heidnischen Säulenfassaden an jeder Ecke der modernen Städte emporrecken und zu welchen die Menge eilt, besessen von einem Glauben, den nicht einmal die Himmlischen einzuflößen vermögen, um begeistert alle Reichtümer der Gottheit "Geld" darzubringen, von der sie meinen, sie throne im Stahlschrank des Bankiers, ihrer göttlichen Aufgabe hingegeben, sich bis ins Unendliche zu vermehren.
Kuz.: Das ist die neue Religion der faulenden Bourgeoisie.
Rak.: Gewiss, Religion. Die Religion der Macht !
Kuz.: Also sind Sie ein Dichter der Wirtschaft.
Rak.: Man braucht schon Poesie, um sich eine Idee der Finanz, dem genialsten und revolutionärsten Kunstwerk aller Zeiten, zu machen.
Kuz.: Das ist eine irrige Anschauung. Die Finanz, wie Marx und vor allem Engels sie definiert haben, wird bestimmt vom kapitalistischen Produktionssystem.
Rak.: Stimmt, aber umgekehrt : das System der kapitalistischen Produktion wird von der Finanz bestimmt. Was Engels DAGEGEN sagt und sogar beweisen will, ist der überzeugendste Beweis DAFÜR, dass die Finanz über die bürgerliche Produktion herrscht. Weil das so ist, haben Engels und Marx die Finanz -die gewaltigste Maschine der Revolution, verglichen mit ihr ist die Komintern ein Kinderspielzeug ‑ nicht aufdecken und anklagen wollen. Im Gegenteil, unter Einsatz ihres wissenschaftlichen Talentes mussten sie noch einmal die Wahrheit im Interesse der Revolution "camouflieren". Und das haben beide getan.
Kuz.: Die Geschichte ist nicht neu, so etwas, erinnere ich mich, hat Trotzki schon vor zehn Jahren geschrieben als er proklamierte, die Kominform sei eine konservative Organisation verglichen mit der Börse von New York, und die großen Bankiers seien die "Schmiede der Revolution".
Rak.: Ja, das sagte er in einem kleinen Buch, in dem er den Zusammenbruch von England voraussagte. Ja, so sagte er und fügte hinzu: "Wer drängt England auf den Weg der Revolution?" und er antwortete: "Nicht Moskau, sondern New York".
Kuz.: Aber erinnern Sie sich, dass er auch behauptete, dass, wenn die Finanzmänner von New York die Revolution vorbereiteten, es unbewusst geschähe?
Rak.: Der Grund, den ich angegeben habe, warum Engels und Marx die Wahrheit camouflierten, gilt auch für Leon Trotzki.
Kuz.: Ich schätze an Trotzki nur eine Anschauung mit einem gewissen literarischen Stil, eine schon reichlich bekannte Anschauung, mit der er sich dann begnügt hat, nach der, wie Trotzki selbst sagt, diese Bankiers "erfüllen unwiderstehlich, unbewusst ihre revolutionäre Mission".
Rak.: Und Sie erfüllen ihre Mission, obwohl Trotzki auf sie mit Fingern zeigt? Sonderbar, dass sie sie nicht ändern !
Kuz.: Die Finanzmänner sind unbewusste Revolutionäre, denn sie sind es nur objektiv wegen ihrer geistigen Unfähigkeit, die letzten Wirkungen zu sehen.
Rak.: Glauben Sie das wirklich? Glauben Sie, dass diese wirklichen Genies unbewusst handeln? Halten Sie die Leute, denen heute die ganze Welt gehorcht, für ein paar Idioten? Das wäre ein erschreckender Widerspruch.
Kuz.: Und was wollen Sie sagen?
Rak.: Ganz einfach, ich behaupte, es sind objektiv und subjektiv Revolutionäre, völlig bewusst !
Kuz.: Die Bankiers? Sind Sie verrückt geworden?
Rak.: Ich nicht. Und Sie? Denken Sie einmal nach. Diese Männer sind Männer wie Sie und ich. Dass sie Geld besitzen, dass sie Gläubiger sind, kann nicht das Ende ihres Ehrgeizes darstellen. Wenn etwas in den Männern im unmittelbaren Verhältnis zu seiner Befriedigung wächst, so ist es der Ehrgeiz nach Macht. Warum sollten sie nicht den Trieb zur Herrschaft, zur totalen Herrschaft empfinden, diese Bankiers? Genauso wie Sie und ich.
Kuz.: Aber wenn sie schon, wie Sie glauben ‑ und ich tue das auch ‑ schon die universelle Wirtschaftsmacht besitzen ‑ was können sie sich denn noch wünschen?
Rak.: Ich habe es schon gesagt : die totale Macht. Eine Macht wie diejenige Stalins über die Sowjetunion, aber universal.
Kuz.: Eine Macht wie diejenige Stalins? Aber mit umgekehrtem Ziel.
Rak.: Die Macht, wenn sie wirklich absolut ist, kann nur eine sein. Der Gedanke des Absoluten schließt die Vielfalt aus. Insofern müssen die Macht, welche die "Kapintern" und die "Komintern" anstreben, um absolut und beide auf gleichem, nämlich politischem Gebiet wirksam zu werden, eine identische Macht sein. Absolute Macht ist Selbstzweck ‑ oder sie ist nicht absolut. Und bis heute hat man keine Maschine von totalerer Macht als den kommunistischen Staat erfunden. Die bürgerlich-kapitalistische Macht, auch in ihrem höchsten Grade, dem cäsarischen, ist eine beschränkte Macht, denn als es sie theoretisch als Verkörperung der Gottheit bei Pharaonen und Cäsaren im Altertum gab, da war das Wirtschaftsleben noch so primitiv und der technische Staatsapparat noch so rückständig, dass immer noch ein Freiraum für den Einzelmenschen blieb. Begreifen Sie, dass diejenigen, die relativ schon über Völker und Regierungen der Erde herrschen, nun auch absolut herrschen wollen? Begreifen Sie, dass dies das einzige ist, was sie noch nicht erreicht haben....
Kuz.: Das ist interessant, mindestens als Fall von Verrücktheit.
Rak.: Weniger Verrückt jedenfalls als die Verrücktheit Lenins, der davon träumte, die Welt von einem Schweizer Dachzimmer aus zu beherrschen, oder von Stalin, der das Gleiche während seiner Verbannung in einer sibirischen Holzhütte geträumt hat. Mir erscheint ein solcher Ehrgeiz bei den Herren des Geldes von der Höhe eines New Yorker Wolkenkratzers aus viel natürlicher.
Kuz.: Kommen wir zum Schluss. Wer sind "Jene"?
Rak.: Glauben Sie denn, ich würde hier als Gefangener sein, wenn ich wüsste, wer sie sind?
Kuz.: Warum?
Rak.: Aus einem einfachen Grunde: wer "Jene" kennt, den versetzen sie nicht in eine Lage, wo er verpflichtet sein könnte, sie zu nennen. Das ist eine Grundregel jeder intelligenten Konspiration, wie Sie ja auch wissen.
Kuz.: Haben Sie nicht gesagt, dass sie Bankiers sind?
Rak.: Ich nicht. Erinnern Sie sich, dass ich immer "Internationale Finanz" gesagt habe, und, wenn ich sie persönlich bezeichnen wollte, habe ich immer "Jene" und nie mehr gesagt. Wenn ich Sie informieren soll, werde ich immer nur Tatsachen, keine Namen nennen, weil ich diese nicht kenne. Ich glaube Sie nicht zu täuschen, wenn ich sage, dass "Jene" keine von den Männern sind, die als Inhaber von Ämtern in der Politik oder im Bankwesen der Welt auftauchen. Soviel ich verstanden habe, verwenden sie seit der Ermordung von Rathenau ‑ dem Rathenau von Rapallo ‑ in Politik und Finanz nur noch Zwischenmänner. Natürlich Männer ihres vollen Vertrauens, von einer durch tausend Mittel garantierten Treue. So kann man sicher sein, dass die Bankiers und Politiker nur ihre "Strohmänner" sind ‑ wie hoch auch ihr Rang sein mag und wie sehr sie persönlich als Urheber der Ereignisse erscheinen.
Kuz.: Obwohl das zugleich verständlich und logisch ist ‑ könnte Ihre begründete Unkenntnis nicht vielleicht nur ein Versteckspiel von Ihnen sein? Nach meinem Eindruck und nach meinen Akten haben Sie eine zu große Rolle in dieser Verschwörung gespielt, um nicht mehr zu wissen. Ahnen Sie nicht vielleicht die Persönlichkeit von einem von "Jenen"?
Rak.: Ja, aber vielleicht glauben Sie mir nicht. Ich bin dazu gekommen anzunehmen, dass es sich um einen Mann oder Männer mit einer ‑ wie sage ich es? ‑ mystischen Persönlichkeit handelt, um eine Art Gandhi, aber ohne seine Auffälligkeit, Mystiker der reinen Macht, ohne alle groben Zutaten. Ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen. Also, Namen und Adresse von "Jenen" kenne ich nicht. Stellen Sie sich vor, Stalin würde heute die Sowjetunion beherrschen, aber ohne Mauern und ohne seine Leibwache, mit nicht mehr Garantie für sein Leben als irgendein Bürger. Was wäre sein Mittel, um sich vor Attentaten zu schützen? Das Mittel eines jeden Konspirateurs, und wenn er noch so viel Macht hat : Anonymität !
Kuz.: Es ist Logik in allem, was Sie sagen. Aber ich glaube Ihnen nicht.
Rak.: Glauben Sie mir, ich weiß nichts! Wenn ich es wüsste, wie glücklicher würde ich heute sein! Ich säße nicht hier um mein Leben zu verteidigen! Ich verstehe Ihre Zweifel völlig und auch die Notwendigkeit, die Sie auf Grund Ihres polizeilichen Berufes empfinden, etwas Greifbares herauszubekommen. Ihnen zu Gefallen und auch, weil es für das Ziel, das wir beide verfolgen, nötig ist, werde ich mein Möglichstes tun, um Sie zu orientieren.
Wissen Sie, dass die nicht geschriebene Geschichte, die nur wir kennen, uns als den Gründer der Ersten Internationale des Kommunismus, natürlich geheim, Adam Weishaupt angibt? Erinnern Sie sich seines Namens? Er war der Führer des als " I l l u m i n a t e n " bekannten Freimaurerordens, dessen Namen er von der zweiten antichristlichen und kommunistischen Verschwörung des Zeitalters, der Gnostik, entlehnt hat. Als dieser große Revolutionär, Semit und Ex-Jesuit, den Triumph der Französischen Revolution voraussah, entschloss er sich (oder wurde beauftragt ‑ man nennt als seinen Chef den großen Philosophen Mendelssohn) eine Organisation zu schaffen, die geheim sein und die Französische Revolution über ihre politischen Ziele hinaus weitertreiben sollte, um sie in eine soziale Revolution zur Errichtung des Kommunismus zu verwandeln. In jenen heldischen Zeiten war es eine ungeheure Gefahr den Kommunismus auch nur als Ziel zu erwähnen. Daher all die Vorsichtsmaßnahmen, Prüfungen und Mysterien, mit denen er das Illuminatentum umgeben musste. Noch fehlte ein Jahrhundert, bis man sich ohne Gefahr vor Gefängnis oder Hinrichtung öffentlich als Kommunist bekennen konnte.
Was man nicht kennt, das ist die Verbindung von Weishaupt und seinen Anhängern zu dem ersten Rothschild. Das Geheimnis des ersten Ursprungs von dem Vermögen dieser berühmtesten Bankiers lässt sich damit erklären, dass sie die Schatzmeister der ersten Komintern waren. Es gibt Anzeichen dafür, dass, als jene fünf Brüder sich in fünf Provinzen des Finanzreiches von Europa teilten, eine geheimnisvolle Macht ihnen geholfen hat dieses sagenhafte Vermögen anzuhäufen. Es könnten jene ersten Kommunisten aus den Katakomben von Bayern gewesen sein, die über ganz Europa verstreut waren. Andere aber sagen, ich glaube mit größerem Recht, dass die Rothschild nicht die Schatzmeister, sondern die Führer jenes ersten geheimen Kommunisten waren. Diese Auffassung stützt sich auf die gesicherte Tatsache, dass Marx und die höchsten Führer der Ersten, nun schon öffentlichen Internationale, darunter Heine und Herzen, dem Baron Lionel Rothschild gehorchten, dessen revolutionäres Bild, von Disraeli, englischer Premier und ebenfalls eine seiner Kreaturen, ihn uns in der Gestalt des Sidonia hinterließ, des Mannes, der als Multimillionär unzählige Spione, Carbonari, Freimaurer, Geheimjuden, Zigeuner, Revolutionäre usw. kannte und befehligte. Das erscheint alles phantastisch, aber es ist erwiesen, dass Sidonia das idealisierte Bild des Sohnes vom alten Nathan Rothschild darstellt, wie auch der Kampf beweist, den er gegen Zar Nikolai I zugunsten von Herzen geführt hat ‑ einen Kampf, den er gewann. Wenn alles wie ich glaube, Wirklichkeit ist, was man im Licht dieser Tatsachen erschließen kann, so könnten wir jetzt schon den Erfinder der gewaltigen Maschine der Akkumulation und der Anarchie, die die Internationale Finanz darstellt, beim Namen nennen; es wäre der gleiche, der die revolutionäre Internationale geschaffen hat.
Etwas Geniales : mit dem Kapitalismus die Akkumulation des Kapitals in höchstem Maße zu schaffen, das Proletariat zur Arbeitseinstellung und in die Verzweiflung zu treiben, und zur gleichen Zeit die Organisation zu schaffen, die die Proletarier vereinigen sollte, um sie in die Revolution zu treiben. Das wäre das erhabenste Kapitel der Geschichte. Und mehr noch: Sie erinnern sich eines Satzes der Mutter der fünf Brüder Rothschild: "Wenn meine Söhne es nicht wollen, so gibt es keinen Krieg!" Das heißt, sie waren Schiedsrichter und Herren über Krieg und Frieden, nicht die Kaiser. Können Sie sich eine Tatsache von derartig kosmischer Bedeutung vorstellen? Sehen Sie hier nicht schon den Krieg in seiner revolutionären Funktion? Krieg ‑ Kommune! Seit damals also war jeder Krieg ein Riesenschritt zum Kommunismus. Wie wenn eine geheimnisvolle Macht den Wunsch Lenins befriedigt hätte, den er zu Gorkij äußerte. Erinnern Sie sich ‑ 1905 ‑ 1914 !
Erkennen Sie zumindest an, dass zwei von den drei Hebeln, die die Welt zum Kommunismus treiben, vom Proletariat weder bedient werden noch es sein können. Die Kriege wurden von der Dritten Internationale und von der Sowjetunion weder hervorgerufen noch geführt. Diese gab es damals noch gar nicht ! Auch jene kleinen in der Verbannung schmachtenden Gruppen von Bolschewisten konnten sie weder hervorrufen, so sehr sie es sich auch herbeiwünschten, noch gar führen. Das ist sonnenklar. Und noch weniger konnte und kann die Internationale oder die Sowjetunion diese ungeheure Akkumulation des Kapitals und nationale oder internationale Anarchie der kapitalistischen Produktion erreichen. Einer Anarchie, die fähig ist, ungeheure Mengen Lebensmittel zu verbrennen, statt sie den hungernden Menschen zu geben. Fähig, nach jenem malerischen Satz, den Rathenau ausspie, "zu bewirken, dass die halbe Welt Mist produziert, und die andere halbe Welt ihn kaufen muss". Endlich kann das Proletariat sich nicht diese in geometrischer Progression fortschreitende Inflation, die Entwertung den dauernden Raub des Mehrwertes und des nicht-finanziellen Sparkapitals, des nicht-wucherischen Kapitals, und damit das dauernde Absinken der Kaufkraft, welche zur Proletarisierung des Mittelstandes, des eigentlichen Feindes der Revolution führt, gutschreiben. Es ist nicht das Proletariat, das den Hebel des Krieges und den Wirtschaftshebel führt. Er ist gewiss der dritte Hebel, der einzig sichtbare und auffällige, der den endgültigen Angriff auf die Festung des kapitalistischen Staates macht und sie "nimmt".
Natürlich "nimmt" er sie, wenn "Jene" sie ihm ausliefern.
Kuz.: Ich sage wieder, dass alles dies, das Sie so literarisch darstellen, einen Namen hat, den wir schon zum Überdruss in unserer Unterhaltung, die zu keinem Ende kommt, erwähnt haben, nämlich "innerer Widerspruch des Kapitalismus", und wenn, wie Sie behaupten, es einen Willen und eine Aktion gibt, die dem Proletariat fremd sind, fordere ich Sie auf, mir konkret einen persönlichen Fall zu nennen.
Rak.: Sind Sie mit einem einzigen zufrieden? ‑ Nun "Jene" haben politisch den Zar für den russisch‑japanischen Krieg isoliert, und die Vereinigten Staaten haben Japan finanziert, genauer gesagt, Jakob Schiff, Chef des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., Nachfolger ‑ und größerer Nachfolger! ‑ des Hauses Rothschild, aus dem Schiff hervorging. So groß war seine Macht, dass er durchsetzte, dass die in Asien Kolonien besitzenden Völker den Aufstieg des fremdenfeindlichen japanischen Reiches stützten, dessen Fremdenfeindlichkeit jetzt Europa zu spüren bekommt. Aus den japanischen Gefangenenlagern kamen die besten Kämpfer nach Petrograd, durch die revolutionären Agenten ausgebildet, die aus Amerika zu ihnen geschickt wurden, nachdem die Erlaubnis dazu durch die Männer, die Japan finanziert hatten, von Japan erlangt worden war. Der russisch‑japanische Krieg mit der organisierten Niederlage der Heere des Zaren, rief die Revolution von 1905 hervor, die, obwohl verfrüht, dem Siege nahe war. Wenn ihr auch der endgültige Triumph versagt war, so schuf sie doch die notwendigen politischen Voraussetzungen für den Sieg von 1917. Und mehr noch. Haben Sie die Biographie von Trotzki gelesen? Erinnern Sie sich an seine erste Zeit als Revolutionär? Er ist noch ein Jüngelchen, war nach seiner Flucht aus Sibirien einige Zeit bei den Emigranten in London, Paris und der Schweiz; Lenin, Plechanow, Mártow sehen ihn nur als einen vielversprechenden Neuling an. Aber er wagt es schon bei der ersten Spaltung unabhängig zu bleiben und möchte Schiedsrichter für die Einigung sein. Im Jahr 1905 zählt er erst 25 Jahre und kehrt allein nach Russland zurück, ohne Partei und Organisation. Lesen Sie die nicht "gesäuberten" Berichte von Stalin über die Revolution von 1905, die Berichte von Lunatscharski, der kein Trotzkist ist. Trotzki steht an der Spitze der Revolution in Petrograd ‑ das ist die Wahrheit. Nur er geht aus der Revolution mit Prestige und Volkstümlichkeit hervor. Weder Lenin, noch Martow, noch Plechanow gewinnen sie oder erhalten sie. Wie und warum steigt der unbekannte Trotzki auf und gewinnt auf einmal Autorität über die ältesten und angesehensten Revolutionäre? Ganz einfach, er hat sich verheiratet. Mit ihm kommt nach Russland seine Frau, die Sedowa. Wissen Sie, wer sie ist? Sie ist die Tochter von Jivotovsky, eng verbunden mit den Bankiers Warburg, den Teilhabern und Vettern von Jacob Schiff, der Finanzgruppe also, die Japan finanziert hat und durch Trotzki nun auch die Revolution von 1905 finanziert. Hier haben Sie den Grund, warum Trotzki auf einmal an die Spitze der revolutionären Stufenleiter kam. Und hier haben Sie den Schlüssel für seine wahre Persönlichkeit.
Machen wir einen Sprung nach 1914. Hinter dem Attentat auf den Erzherzog steht Trotzki, und das Attentat löst den europäischen Krieg aus. Glauben Sie wirklich, dass das Attentat und der Krieg bloße Zufälle sind, wie es auf einem Zionistenkongress Lord Melchett sagte? Analysieren Sie im Lichte der "Nicht-Zufälligkeit" die Entwicklung des Feldzuges in Russland. Das "Herbeiführen der Niederlage" ist ein Meisterwerk. Die Hilfe der Alliierten für den Zaren wird so reguliert und dosiert, dass sie den alliierten Botschaftern als Argument dient, von der Dummheit Nikolais II. eine Massaker‑Offensive nach der anderen zu erreichen. Die Masse des russischen Fleisches war riesig, aber nebensächlich. Die organisierten Offensiven führten zur Revolution. Als sie von allen Seiten droht, ist das Heilmittel die Einrichtung der demokratischen Republik. Die Republik der Botschaften, wie Lenin sie nannte ‑ das heißt, man sichert den Revolutionären Straflosigkeit zu. Aber es fehlt noch etwas, Kerenskij muss eine weitere Massaker‑Offensive loslassen und führt sie durch, damit die demokratische Revolution sich überschlägt. Und mehr noch ‑ Kerenskij muss die totale Übergabe des Staates an die Kommunisten durchführen und vollendet sie. Trotzki kann den ganzen Staatsapparat "heimlich" übernehmen. Welch sonderbare Blindheit! Das ist die Wirklichkeit der so viel besungenen Oktober‑Revolution : Die Bolschewisten übernahmen die Macht, die "Jene" ihnen lieferten.
Kuz.: Sie wagen also zu behaupten, Kerenskij sei ein Komplize von Lenin gewesen?
Rak.: Von Lenin, nein, aber von Trotzki. Besser gesagt : von "Jenen" !
Kuz.: Absurd !
Rak.: Können Sie nicht verstehen? Gerade Sie? Das wundert mich. Wenn Sie, als Spion im Schutz der Geheimhaltung um Ihre Identität, es fertig bringen, Befehlshaber einer feindlichen Festung zu sein ‑ würden Sie nicht die Tore den Angreifern, denen Sie wirklich dienen, öffnen? Würden Sie nicht ein Besiegter und Gefangener mehr sein? Vielleicht würden Sie nicht die Gefahr laufen, beim Angriff auf die Festung zu sterben, wenn ein Angreifer, der nicht ahnt, dass Ihre Uniform nur eine Maske ist, Sie für einen Feind hält? Glauben Sie mir : ohne Denkmäler und Mausoleum verdankt der Kommunismus Kerenskij mehr als Lenin.
Kuz.: Wollen Sie damit sagen, dass Kerenskij sich bewusst und freiwillig besiegen ließ?
Rak.: Ja, das steht für mich fest. Verstehen Sie das bitte, ich war ja bei all dem persönlich dabei. Aber ich werde Ihnen noch mehr sagen : wissen Sie, wer die Oktober‑Revolution finanziert hat? "Jene" haben sie finanziert, genau durch die gleichen Finanzleute, die Japan und die Revolution von 1905 finanziert haben. Jacob Schiff und die Brüder Warburg, das heißt der große Bund der Banken, eine von den fünf Federal Reserve Banken, die Bank Kuhn, Loeb & Co., wobei sich andere europäische und amerikanische Bankiers beteiligten, wie Guggenheim, Hanauer, Breitung, [Olof] Aschberg von der Nya Banken in Stockholm. Ich war "durch Zufall" in Stockholm dabei und nahm an der Übertragung der Gelder teil. Bis Trotzki kam, war ich der Einzige, der von der revolutionären Seite daran teilnahm. Aber Trotzki kam schließlich. Ich muss betonen, dass die Alliierten ihn aus Frankreich wegen seiner Tätigkeit für die Niederlage ausgewiesen hatten und dass die gleichen Alliierten ihn freiließen, damit er im alliierten Russland für die Niederlage sorgt. Wieder ein Zufall? Wer soll das geschafft haben? Die Gleichen, die es erreichten, dass man Lenin quer durch Deutschland fahren ließ! Wenn "Jene" in England erreichen konnten, Trotzki, den Wehrzersetzer, aus einem Lager in Canada herauszuholen und zu bewirken, dass er mit Freipass durch alle alliierten Kontrollen nach Russland fahren konntet so haben andere, darunter Rathenau, die Fahrt Lenins durch das feindliche Deutschland durchgesetzt. Wenn Sie einmal die Geschichte der Revolution und des Bürgerkrieges ohne Vorurteile studieren würden, mit dem Geist einer polizeilichen Untersuchung, wie Sie es in geringen Fragen mit weniger Beweismaterial tun, so werden Sie im gesamten Ablauf der Ereignisse wie in den Einzelheiten und sogar in manchen anekdotischen Zügen eine Reihe schockierender "Zufälle" entdecken.
Kuz.: Gut, nehmen wir als Hypothese an, dass es alles kein Zufall sei. Was leiten Sie nun an praktischen Wirkungen davon ab?
Rak.: Lassen Sie mich diese kleine Geschichte abschließen ‑ nachher wollen wir beide daraus die Schlüsse ziehen. Trotzki wird seit seiner Ankunft in Petrograd ohne Vorbehalt von Lenin zugelassen. Wie Sie nur zu gut wissen, waren die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden in der Zeit zwischen den beiden Revolutionen sehr groß. Alles ist vergessen, und Trotzki ist der Meister des Triumphes der Revolution, ob Stalin das will oder nicht. Warum? Das Geheimnis davon bewahrt die Frau Lenins, Krupskaja. Sie weiß, wer Trotzki wirklich ist; sie hat auch Lenin überzeugt, Trotzki aufzunehmen. Sonst wäre Lenin in der Schweiz blockiert geblieben. Das war schon ein gewichtiger Beweggrund für ihn. Und ebenso war es das Wissen darum, welche Hilfe Trotzki der Revolution gebracht hat. Lenin wusste damals, dass Trotzki das Geld und mächtige internationale Hilfe brachte; der plombierte Wagen war der Beweis dafür. Dann die Einheit des ganzen linken revolutionären Flügels, Sozialisten, Revolutionäre und Anarchisten statt der unbedeutenden bolschewistischen Partei ‑ auch das ist das Werk Trotzkis, nicht der eisernen Unnachgiebigkeit von Lenin. Nicht umsonst ist der alte "Bund" der jüdischen Proletarier, aus dem alle die Zweige der Revolution in Russland stammen, denen er neunzig Prozent seiner Führer gegeben hat, die wahre Partei des "parteilosen" Trotzki gewesen. Natürlich nicht der offizielle und öffentliche "Bund", sondern der geheime "Bund" der in alle sozialistischen Parteien verzweigt war und deren Führer alle unter seiner Leitung stehen.
Kuz.: Auch Kerenskij?
Rak.: Auch Kerenskij und einige nicht sozialistische Parteiführer, Führer der bürgerlichen Parteien.
Kuz.: Inwiefern das?
Rak.: Vergessen Sie die Rolle der Freimaurerei in der ersten bürgerlichdemokratischen Phase der Revolution?
Kuz.: Gehorchte sie auch dem "Bund"?
Rak.: Als unmittelbare Stufe darüber, aber in Wahrheit gehorchte sie "Jenen".
Kuz.: Trotz der marxistischen Welle, die sich erhob und ihre Vorrechte und ihr Leben bedrohte?
Rak.: Trotz alledem! Natürlich sahen sie die Gefahr nicht. Berücksichtigen Sie, dass jeder Freimaurer mit seiner Einbildungskraft mehr gesehen hat und gesehen zu haben glaubt als das Wirkliche, denn er bildet sich ein zu sehen was er sich wünscht. Dazu ist die zunehmende Anwesenheit von Freimaurern in den Regierungen und Staatsführungen der bürgerlichen Nationen für sie ein Beweis der politischen Macht ihrer Gesellschaft. Berücksichtigen Sie, dass zu jener Zeit die Regierenden aller alliierten Nationen mit ganz wenigen Ausnahmen Freimaurer waren. Das war für sie ein sehr gewichtiges Argument. Sie hatten den absoluten Glauben, dass die Revolution in die bürgerliche Republik nach französischem Vorbild ablaufen werde.
Kuz.: Nach dem Bilde, das Sie mir von Russland im Jahre 1917 gemalt haben, müssen sie sehr "schlau" gewesen sein, wenn sie das glauben sollten.
Rak.: Das waren sie und das sind sie! Die Freimaurer haben jene erste deutliche Lektion nicht begriffen, nämlich die Große Revolution, in der sie eine bedeutsame revolutionäre Rolle gespielt haben und die die meisten Freimaurer verschlang, voran ihren Großmeister, den Herzog von Orleans, besser gesagt, den König, der auch Freimaurer war, und danach Girondisten, Hébertisten, Jakobiner ... und wenn einige überlebten, so geschah es dank Napoleon Bonaparte und seinem Putsch im Brumaire.
Kuz.: Wollen Sie damit sagen, dass es den Freimaurern bestimmt ist, durch die Hand der Revolution zu sterben, die von Ihnen selber herbeigeführt wird?
Rak.: Ganz richtig ... Sie haben eine tiefe geheim gehaltene Wahrheit formuliert. Ich bin Freimaurer, Sie werden es gewusst haben, nein? Also gut. Ich werde Ihnen also das große Geheimnis verraten, das man immer dem Freimaurer zu enthüllen verspricht ‑ aber das man ihm weder im 25ten, noch im 33ten, noch im 93ten noch im höchsten Grade irgend einer der Riten enthüllt. Ich kenne es, selbstverständlich nicht weil ich Freimaurer bin, sondern weil ich zu "jenen" gehöre.
Kuz.: Und was ist es?
Rak.: Die ganze Bildung des Freimaurers und das öffentliche Ziel der Freimaurerei geht dahin, alle notwendigen Voraussetzungen für die kommunistische Revolution zu schaffen und zur Verfügung zu stellen, natürlich unter verschiedenen Vorwänden, die sie unter ihrem bekannten Dreispruch verbergen. Und da die kommunistische Revolution die Liquidation der ganzen Bourgeoisie als Klasse und die physische Liquidation jedes politischen Führers der Bourgeoisie voraussetzt, ist das wirkliche Geheimnis der Freimaurerei der Selbstmord der Freimaurerei als Organisation und der physische Selbstmord jedes irgendwie bedeutenden Freimaurers. Nun verstehen Sie schon warum, wenn dem Freimaurer ein solches Ende vorbehalten ist, man Mysterien, Theaterszenen und soundsoviel "Geheimnisse" benötigt ‑ um das wirkliche Geheimnis zu verbergen. Lassen Sie sich, wenn Sie dazu Gelegenheit haben, nicht entgehen, sich in irgendeiner zukünftigen Revolution die Geste von Erschrecktheit und Blödheit zu betrachten, die auf dem Gesicht eines Freimaurers erscheint, wenn er kapiert, daß er von den Händen der Revolutionäre sterben soll. Wie er kreischt und sich auf seine Verdienste um die Revolution berufen will ! Das wird ein Schauspiel zum Sterben sein ‑ aber vor Lachen !
Kuz.: Und Sie leugnen noch die angeborene Dummheit der Bourgeoisie?
Rak.: Ich spreche sie der Bourgeoisie als Klasse ab, nicht bestimmten Teilen von ihr. Das Bestehen von Irrenhäusern beweist noch nicht, dass der Irrsinn Allgemeingut sei. Die Freimaurerei kann auch ein Irrenhaus sein, aber in Freiheit.
Ich fahre fort : wenn die Revolution gesiegt hat, vollzieht sich die Machtergreifung. Es tritt das erste Problem auf : der Frieden und mit ihm die erste Spaltung innerhalb der Partei, woran die Kräfte der Koalition, die an der Macht ist, teilnehmen. Ich will nichts erzählen über den Kampf, der in Moskau zwischen Anhängern und Gegnern des Friedens von Brest‑Litowsk ausgefochten wurde, da es ja hinlänglich bekannt ist. Ich will lediglich darauf hinweisen, dass die später so genannte trotzkistische Opposition, die Liquidierten und diejenigen, die noch liquidiert werden sollen, sich dort bereits abzeichnete. Alle waren gegen die Unterzeichnung des Friedensvertrages. Dieser Friede war ein Irrtum, ein unbewusster Verrat von Lenin an der internationalen Revolution. Stellen Sie sich vor, die Bolschewisten hätten in Versailles in der Friedenskonferenz und später im Völkerbund gesessen, mit der Roten Armee, verstärkt und ausgerüstet durch die Alliierten, in Deutschland stehend. Man hätte mit Waffengewalt den Sowjetstaat an die deutsche Revolution geschmiedet. Ganz anders sähe heute die europäische Landkarte aus. Aber Lenin, trunken vor Macht, unterstützt von Stalin, der auch schon vom Alkohol des Befehlenkönnens getrunken hatte, gefolgt von dem national‑russischen Flügel der Partei, setzten sich mit materieller Gewalt durch. Und so wurde der "Sozialismus in einem Lande" geboren, das heißt der Nationalkommunismus, der heute mit Stalin seinen Höhepunkt erreicht hat. Natürlich gab es Kampf, aber nur in einer Form und einem Umfang, dass er nicht den kommunistischen Staat zerstören konnte; das ist die für die Opposition bis heute geltende Voraussetzung. Das war auch der Grund unseres ersten Scheiterns und aller späteren Misserfolge. Aber es gab einen wilden, wenn auch getarnten Kampf, um unsere Teilnahme an der Macht nicht zu gefährden. Trotzki organisierte durch seine Verbindungen das Attentat der Kaplan gegen Lenin. Auf seinen Befehl tötete Blumkin den Botschafter v. Mirbach. Der Staatsstreich der Spiridonowa und ihrer Sozialrevolutionäre geschah in Übereinstimmung mit Trotzki. Sein Mann für diese Dinge war unverdächtig, es war jener Rosenblum, ein litauischer Jude, der den Namen O'Reilly führte, bekannt als einer der besten Spione des britischen Intelligence Service. Der Grund für die Auswahl von Rosenblum war, dass er nur als englischer Spion bekannt war, also England, nicht Trotzki oder wir im Falle eines Fehlschlages für Attentate oder Komplotte verantwortlich gemacht worden wären. So geschah es. Der Bürgerkrieg ließ uns die konspirative und terroristische Methode aufgeben, denn er bot uns die Möglichkeit, in unseren Händen wirkliche Staatsmacht zu haben, als Trotzki zum Organisator und Führer der Roten Armee wurde. Das Sowjetheer, das unablässig vor den "Weißen" zurückweicht und das Gebiet der Sowjetunion auf den Umfang des alten Großfürstentums Moskau zusammenschrumpfen lässt, wird wie durch ein Wunder auf einmal siegreich. Wodurch glauben Sie wohl ‑ durch Wunder und durch Zufall? Ich werde es Ihnen sagen : als Trotzki den Oberbefehl über die Rote Armee übernimmt, hat er schon in seiner Hand die notwendige Gewalt, um die Macht zu ergreifen. Die Siege werden sein Prestige und seine Macht steigen lassen, die "Weißen" können bereits besiegt werden. Glauben Sie wirklich die amtliche Darstellung, die das Wunder des sowjetischen Sieges der mittelmäßigen, schlecht bewaffneten und disziplinlosen Roten Armee zuschreibt?
Kuz.: Wem denn sonst?
Rak.: Zu neunzig Prozent ist er "Jenen" zuzuschreiben. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Weißen auf Ihre Art "demokratisch" waren. Bei ihnen waren die Menschewisten und die Reste aller alten liberalen Parteien. Innerhalb dieser Kräfte haben "Jene" immer sehr viel Kräfte, bewusst oder unbewusst, in ihren Diensten gehabt. Als Trotzki das Kommando übernahm, bekamen sie Befehl, systematisch die Weißen zu verraten, und zugleich die Zusage, dass sie mehr oder weniger schnell an der Sowjetregierung beteiligt werden würden. Maiskij war einer dieser Männer, einer der wenigen, dem man gegenüber das Versprechen gehalten hat, aber auch nur, weil er Stalin von seiner Treue überzeugen konnte. Als diese Sabotage zusammen mit der schrittweisen Verminderung der Hilfe für die weißen Generäle wirkte, da erlitten diese, die außerdem arme Idioten waren, eine Niederlage nach der anderen. Endlich nahm Wilson in seine berüchtigten 14 Punkte den Punkt 6 auf, der ausreichte, um für immer jedem Versuch der "Weißen" gegen die Sowjetunion ein Ende zu setzen. Während des Bürgerkrieges fasste man Trotzki für die Nachfolge Lenins ins Auge. Daran war gar nicht zu zweifeln. Der alte Revolutionär konnte schon in seinem Ruhm sterben. Wenn er lebend den Kugeln der Kaplan entging, so würde er wohl nicht lebend der getarnten Euthanasie entkommen, die man gegen ihn anwandte.
Kuz.: Hat Trotzki sein Leben abgekürzt? Großer Clou für Ihren Prozess? War es etwa Levin, der Lenin behandelte?
Rak.: Trotzki? Vielleicht hat er eingegriffen. Dass er darum gewusst hat, ist ganz sicher. Also gut, die technische Durchführung, das Zusätzliche ‑ wer weiß das? "Jene" haben soviel Kanäle um an ihr Ziel zu kommen.
Kuz.: Wie dem auch sei ‑ die raffinierte Ermordung Lenins ist etwas derartiges erster Ordnung, dass sie im nächsten Prozess vorgebracht werden muss. Was meinen Sie, Rakowskij, erscheint Ihnen das als nebensächlich, der Urheber? Natürlich, wenn Sie in diesem Gespräch scheitern ... Der technische Fall passt zu Ihnen als Arzt gut.
Rak.: Ich rate Ihnen davon ab. Fassen Sie diese Sache lieber nicht an; sie ist zu gefährlich für Stalin selbst. Sie können mit Ihrer Propaganda machen was Sie wollen; aber "Jene" haben auch ihre Propaganda und sie ist viel mächtiger und ein viel stärkerer Beweis als alle Geständnisse, die man Levin, mir oder sonst jemand entreißen könnte. Das "cui prodest?" lässt in Stalin den Mörder von Lenin sehen.
Kuz.: Was wollen Sie damit sagen?
Rak.: Dass die klassische, untrügliche Regel, um einen Mörder zu entdecken, heißt : herausbekommen, wem der Mord nützt. Und im Falle Lenins war derjenige, dem er zugute kam, Ihr Herr Chef, Stalin. Denken Sie daran und machen Sie nicht diese Einwürfe, die mich stören und nicht zum Schluss kommen lassen.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass, als Trotzki nicht Lenins Nachfolger wurde, nicht Menschenkraft dem entgegengewirkt hat. Die Summe der Macht in der Hand Trotzkis während Lenins letzter Krankheit war viel größer als er sie benötigte. Schon besaßen wir das Todesurteil gegen Stalin. Der Brief, den die Krupskaja ihrem Gatten entriss, hätte gegen Ihren jetzigen Chef in den Händen eines Diktators Trotzki ausgereicht, um ihn zu liquidieren. Aber ein dummer Zufall, wie Sie schon wissen werden, ließ all unsere Pläne scheitern : Trotzki erkrankt an einem Leiden, das ihn zufällig befällt, und im entscheidenden Augenblick, als Lenin stirbt, ist er monatelang zu jeder Tätigkeit unfähig. Ein Nachteil neben all den Vorteilen, wenn alles auf eine Person konzentriert ist. Es ist natürlich, dass ein Trotzki, der für die Durchführung seiner Aufgabe vorgebildet war, nicht plötzlich improvisiert werden kann. Keiner von uns, auch nicht Sinowjew oder Kamenew, hatten die Ausbildung oder die notwendigen Hebel in der Hand, was übrigens auch Trotzki, eifersüchtig er könne ersetzt werden, niemand hatte gestatten wollen. Als wir also beim Tode Lenins Stalin gegenüberstanden, der im geheimen eine fieberhafte Tätigkeit entfaltet hatte, sahen wir eine Niederlage im Zentralkomitee kommen. Wir mussten also eine Lösung improvisieren, und diejenige, die sich bot, hieß, sich Stalin anzuschließen, stalinistischer als er zu sein, zu übertreiben, also zu sabotieren. Den Rest kennen Sie ‑ unseren dauernden Kampf und dauerndes Scheitern gegenüber Stalin, der sich als ein beispielloses Genie der Polizeikunst erweist. Mehr noch : Stalin, vielleicht aus einem nationalistischen Atavismus, betont sein Russentum und ruft um sich eine Schicht ins Leben, die wir ausrotten müssten, den Nationalkommunismus im Gegensatz zum internationalen Kommunismus, den wir darstellen. Er stellt die Internationale in den Dienst der Sowjetunion, und da die Sowjetunion ihm dient, in seinen Dienst. Wenn wir eine geschichtliche Parallele finden wollen, müssen wir auf den Bonapartismus hinweisen, und wollen wir eine andere Persönlichkeit wie Stalin suchen, so finden wir keine geschichtlich vergleichbare. Aber ich glaube eine Parallele gefunden zu haben, wenn ich zwei zusammennehme : Fuché und Napoleon. Lassen wir bei letzterem seine zweite Lebenshälfte weg, das Nebensächliche, Uniform, militärische Hierarchie, Krone, alles Dinge, die Stalin nicht in Versuchung zu bringen scheinen und zusammen auch keinen Stalin ergeben, und nehmen wir das Hauptsächliche: die Erwürgung der Revolution, der er nicht dient, sondern deren er sich bedient, die Gleichsetzung mit dem ältesten russischen Imperialismus, wie bei Napoleon mit dem gallischen, die Schaffung einer Aristokratie, zwar keiner militärischen, da er noch keine Siege hat, sondern auf der bürokratisch-polizeilichen Ebene.
Kuz.: Genug, Rakowskij, Sie sind ja nicht hier, um trotzkistische Propaganda zu machen. Werden Sie endlich zum Konkreten kommen?
Rak.: Natürlich komme ich dorthin. Aber wann erreiche ich es, dass Sie sich einen leichten Begriff von "Jenen" machen, mit denen Sie im Praktischen und Konkreten zu rechnen haben? Vorher nicht. Daran liegt mir mehr als daran, bei Ihnen nicht zu scheitern, wie Sie verstehen werden.
Kuz.: Dann kürzen Sie bitte möglichst ab.
Rak.: Unser Scheitern, das von Jahr zu Jahr deutlicher wird, umfasst auch die Tatsache, dass alles, was in der Nachkriegszeit von "Jenen" für den neuen Angriff der Revolution getan wurde, ohne Ziel blieb. Der Vertrag von Versailles, der für Politiker und Wirtschaftler so unerklärlich ist, weil niemand seinen wirklichen Zweck ahnte, war die am meisten entscheidende Voraussetzung für die Revolution.
Kuz.: Die Theorie ist ganz kurios ‑ wie wollen Sie das erklären?
Rak.: Die Reparationen und wirtschaftlichen Einschränkungen von Versailles waren im Interesse keines der Völker. Ihre absurde Berechnung lag so klar auf der Hand, dass sogar die bedeutendsten Wirtschaftler der Siegervölker sie sogleich angegriffen haben. Nur Frankreich forderte als Reparationen eine Summe, die größer war als der Wert seines gesamten Nationalvermögens, so als wäre der ganze Boden Frankreichs in eine Sahara verwandelt worden. Schlimmer noch war das irrsinnige Abkommen, auf Grund dessen man Deutschland viel mehr zu zahlen auferlegte als es konnte, es so im Ganzen verkaufte und den Gesamtertrag seiner nationalen Arbeit auslieferte. Schließlich kam man zu dem Ergebnis, der Weimarer Republik ein phantastisches Dumping aufzuzwingen, wenn sie etwas von den Reparationen bezahlen wollte. Und was war das Dumping? Unterkonsum, Hunger in Deutschland, und im gleichen Maße Arbeitseinstellung in den Einfuhrländern. Und wenn sie nicht einführten, Arbeitslosigkeit in Deutschland, Hunger und Arbeitslosigkeit im einen oder im anderen Teil ‑ das ist die erste Folge von Versailles. War also der Versailler Vertrag nicht revolutionär?
Man tat sogar mehr. Man versuchte, eine gleichmäßige Leistungsreglementierung auf internationaler Ebene durchzusetzen. Das bedeutete, die widersinnige Anarchie zu zwingen, das Ausreichende und für jede Nationalwirtschaft Angemessene zu produzieren, wobei man jedoch so tat, als seien dafür Klima, nationaler Rohstoffreichtum und sogar die technische Ausbildung von Direktoren und Arbeitern bedeutungslos. Bislang lag für die naturgegebenen Ungleichheiten von Boden, Klima, Rohstoffen innerhalb der einzelnen Nationalwirtschaften ein Ausgleich immer darin, daß die ärmeren Länder mehr arbeiten mußten. Nur dadurch, daß ihre Leistungsfähigkeit stärker ausgeschöpft wurde, vermochten die ihren Mangel infolge der Armut des Bodens auszugleichen wie auch die Unterschiedlichkeit in den industriellen Möglichkeiten und anderen mehr. Ich will mich nicht weiter auslassen, aber die vom Völkerbund auferlegte Reglementierung der Arbeit, die sich auf ein abstraktes Prinzip der Gleichheit des täglichen Leistungspensums berief, bedeutete in Wirklichkeit innerhalb eines unverändert gebliebenen kapitalistischen Produktions‑ und Tauschsystems die Aufzwingung einer ökonomischen Ungleichheit; sie hieß den Zweck der Arbeit missachten, nämlich die ausreichende Produktion. Die sofortige Wirkung war eine unzureichende Produktion, ausgedrückt einerseits durch umfangreiche Einfuhren aus den rohstoff‑ und industriereichen und gesättigten Ländern, die mit Gold bezahlt wurden, solange Europa Gold hatte, andrerseits durch eine Scheinblüte in den USA, die ihre riesige Produktion in Gold und goldgedeckte Scheine einhandelten, in denen sie schwammen. Wie jede Anarchie der Produktion ‑ und eine solche wie damals hatte man überhaupt noch nicht erlebt! ‑ hat die Finanz, haben "Jene", sie ausgebeutet, unter dem Vorwand, sie mit einer noch größeren Anarchie zu heilen, nämlich der Inflation des amtlichen Geldes und einer noch hundertmal größeren Inflation ihres eigenen Geldes, des Kreditgeldes, des falschen Geldes. Erinnern Sie sich der aufeinanderfolgenden Abwertungen bei vielen Völkern, der deutschen Abwertung, der amerikanischen Krise und ihrer trefflichen Wirkungen? Ein Rekord an Arbeitslosigkeit, mehr als dreißig Millionen Arbeitslose allein in Europa und USA, waren die Folge. Glauben Sie nun, dass der Versailler Vertrag und der Völkerbund Voraussetzungen für die Revolution waren?
Kuz.: Das mag sein, ohne dass es beabsichtigt war; Sie können mir nicht beweisen warum sie vor der logischen Weiterentwicklung der Revolution und dem Kommunismus zurückweichen und warum sie darüber hinaus eine Front mit dem Faschismus bilden, der in Italien und Europa triumphiert. Was antworten Sie nun?
Rak.: Wenn man die Existenz und das Ziel von "Jenen" außer Betracht lassen wollte, hätten Sie ganz recht. Aber man darf ihre Existenz und ihre Zielsetzung nicht vergessen, genau so wenig wie die Tatsache, dass Joseph Stalin die Macht in der Sowjetunion innehat.
Kuz.: Ich sehe keine Verbindung dazwischen.
Rak.: Weil Sie nicht wollen! Hinweise und Anhaltspunkte sind doch reichlich da! Ich wiederhole noch einmal : Stalin ist für uns ein Bonapartist, kein Kommunist.
Kuz.: Aber der Faschismus ist doch wesenhafter Antikommunismus, sowohl gegen den stalinistischen als auch gegen den trotzkistischen Kommunismus! Und wenn die Macht "Jener" so groß ist, warum haben sie ihn nicht verhindert?
Rak.: Weil "Jene" es waren, die Hitler triumphieren ließen.
Kuz.: Jetzt übertreffen Sie alle Rekorde an Absurdität.
Rak.: Das Absurde und das Wunderbare verschmelzen bei bildungsmäßiger Unfähigkeit.
Hören Sie mich an : Ich habe schon das Scheitern der Opposition anerkannt. "Jene" erkannten am Ende, dass Stalin durch einen Staatsstreich nicht gestürzt werden konnte. Und ihre geschichtliche Erfahrung diktierte ihnen eine andere Lösung. Mit Stalin dasselbe zu machen wie einst mit dem Zaren. Eine Schwierigkeit bestand jedoch, die uns unüberwindlich schien : Es gab in ganz Europa kein Land, das die Invasion hätte durchführen können; keines besaß eine entsprechende geographische Lage oder ein ausreichendes Heer für einen Einmarsch in die Sowjetunion. Da es den Gegner nicht gab, mussten "Jene" ihn schaffen. Nur Deutschland war bevölkerungsmäßig und strategisch in der Lage, um in Sowjetrussland einzufallen und Stalin Niederlagen zuzufügen. Aber, wie Sie verstehen werden, war die Republik von Weimar nicht so angelegt, dass sie andere hätten angreifen können, sondern so, dass andere sie angreifen konnten.
Und am Himmel des deutschen Hungers begann das flüchtige Gestirn Hitlers zu glänzen. Ein scharfsinniges Auge richtete sich darauf. Die Welt hat seinen fulminanten Aufstieg bewundert. Ich will nicht sagen, dass das alles unser Werk gewesen ist. Die revolutionär‑kommunistische Wirtschaft von Versailles führte ihm immer größere Massen zu. Auch wenn sie nicht eingerichtet worden wäre, um Hitlers Sieg herbeizuführen ‑ die Voraussetzung, die Versailles für Deutschland schuf, waren Verproletarisierung, Hunger und Arbeitslosigkeit, und die Folge davon hätte der Triumph der kommunistischen Revolution sein sollen. Weil jedoch diese durch Stalins Führung der Sowjetunion und der Internationale vereitelt worden war und man Deutschland nicht dem neuen Bonaparte überlassen wollte, milderten der Dawes‑ und Young‑Plan diese Voraussetzung etwas, in der Erwartung, dass in Russland die Opposition siegen würde. Als dies nicht eintrat, mussten die Voraussetzungen, die man geschaffen hatte, ihre Folgen haben: Der wirtschaftliche Determinismus in Deutschland zwang seinem Proletariat die Revolution auf. Da durch Stalins Schuld die sozialinternationale Revolution verhindert worden war, stürzte sich das deutsche Proletariat in die nationalsozialistische Revolution. Das war ein dialektisches Faktum.
Aber trotz aller Voraussetzung und Begründung hätte die nationalsozialistische Revolution niemals siegen können. Ihr fehlte etwas dazu. Es war nötig, dass auf Grund von Anweisungen die Trotzkisten und Sozialisten die Massen spalteten, die ein waches und intaktes Klassenbewusstsein hatten. Schon dabei haben wir eingegriffen.
Aber es war noch mehr nötig. Im Jahre 1929, als die Nationalsozialistische Partei an ihrer Wachstumskrise litt und ihr die Geldmittel ausgingen, sandten "Jene" ihm einen Botschafter; ich kenne sogar seinen Namen, es war ein Warburg. In unmittelbaren Verhandlungen mit Hitler einigt man sich über die Finanzierung der Nationalsozialistischen Partei, und Hitler bekommt in ein paar Jahren Millionen von Dollars, die Wallstreet sendet, und Millionen von Mark, diese durch Hjalmar Schacht. Der Unterhalt von SA und SS und die Finanzierung der folgenden Wahlen, die Hitler an die Macht bringen, geschehen mit Dollar und Mark, die "Jene" schicken.
Kuz.: Die nach Ihrer Darstellung einen vollkommenen Kommunismus erstreben und ausgerechnet einen Hitler bewaffnen, welcher schwört, das erste kommunistische Volk auszurotten. Wenn ich das glaube, ist schon allerlei "Logik" bei den Finanzleuten !
Rak.: Sie vergessen wieder den Bonapartismus von Stalin. Erinnern Sie sich, dass gegenüber Napoleon, dem Erwürger der Französischen Revolution selbst ein Ludwig XVIII., ein Wellington, Metternich, ja sogar der autokratische Zar objektiv revolutionär waren. Das ist beste stalinistische Lehre. Sie werden seine Thesen über das Verhalten von Kolonien gegenüber den imperialistischen Mächten auswendig können. Danach sind objektiv der Emir von Afghanistan und König Faruk Kommunisten, weil Sie gegen Seine Britische Majestät kämpfen ‑ warum sollte denn nicht auch Hitler in seinem Kampf gegen den autokratischen Zaren "Koba I" objektiv ein Kommunist sein?
Und endlich, ohne Abschweifungen: hier haben Sie Hitler mit wachsender militärischer Macht, der sein Drittes Reich ausdehnt, und was er noch hinzufügen wird ‑ bis er die notwendige Macht hat, um Stalin anzugreifen und völlig stürzen zu können. Sehen Sie nicht die allgemeine Zahmheit der Wölfe von Versailles, die sich auf schwaches Knurren beschränken? Ist das vielleicht auch Zufall? Hitler wird in der UdSSR einbrechen und so wie 1917 die Niederlagen des Zaren uns dazu dienten, diesen hinauszuwerfen, so werden die Niederlagen Stalins uns dienen, ihn hinauszuwerfen und zu ersetzen. Und die Stunde der Weltrevolution schlägt wieder. Denn die demokratischen Nationen, die heute eingeschläfert sind, werden, sobald Trotzkij wieder die Macht ergreift, wie einst im Bürgerkrieg einen allgemeinen Wechsel spüren. Dann wird Hitler vom Westen her angegriffen werden, seine Generale werden sich erheben und ihn liquidieren... Wird dann Hitler objektiv wie ein Kommunist gehandelt haben oder nicht?
Kuz.: Ich glaube weder an Fabeln noch an Wunder.
Rak.: Also, wenn Sie nicht glauben wollen, dass "Jene" fähig sind, zu verwirklichen, was sie verwirklicht haben, bereiten Sie sich darauf vor den Einmarsch in die Sowjetunion und das Ende Stalins noch vor einem Jahre zu erleben. Ob Sie es für ein Wunder oder einen Zufall halten, bereiten Sie sich darauf vor, es zu erleben und zu erleiden. Aber sind Sie wirklich fähig, sich einfach zu weigern, das zu glauben, was ich Ihnen gesagt habe, sei es auch nur als Hypothese?
Kuz.: Gut, sprechen wir hypothetisch. Was regen Sie an?
Rak.: Sie haben zuerst auf unsere Übereinstimmung hingewiesen. Uns interessiert der Angriff auf die Sowjetunion nicht, denn der Sturz Stalins würde das Zusammenbrechen dieses Kommunismus bedeuten, der, selbst wenn er formal ist, uns doch angeht, denn wir sind überzeugt, dass es uns noch einmal gelingen wird, ihn zu stürzen und ihn in einen echten Kommunismus zu verwandeln. Ich glaube, genau die Synthese des gegenwärtigen Augenblicks gegeben zu haben?
Kuz.: Ausgezeichnet ! ‑ Lösung?
Rak.: Vor allem müssen wir dafür sorgen, dass die potentielle Gefahr eines Angriffs durch Hitler verschwindet.
Kuz.: Wenn, wie Sie versichern, "Jene" es gewesen sind, die ihn zum "Führer" gemacht haben, müssen sie Macht über Hitler haben, so dass er ihnen gehorcht.
Rak.: Weil ich mich wegen der Eile nicht gut ausgedrückt habe, so haben Sie mich nicht gut verstanden. Wenn es auch stimmt, dass "Jene" ihn finanziert haben, so haben sie doch weder seine Existenz noch sein Ziel entdeckt. Der Abgesandte Warburg kam zu ihm mit falschem Namen, es scheint nicht einmal, als ob Hitler seine Rassenzugehörigkeit erraten habe; außerdem log er über diejenigen, die er vertrat. Er sagte, er sei von einer Finanzgruppe der Wallstreet abgesandt, die daran interessiert sei, die nationalsozialistische Bewegung als eine Drohung gegen Frankreich zu finanzieren, dessen Regierung eine Finanzpolitik verfolge, die die Wirtschaftskrise in den USA hervorrufe.
Kuz.: Und glaubte Hitler das denn?
Rak.: Das wissen wir nicht. Es kam auch nicht darauf an, dass er die Gründe glaubte, unser Ziel war es, dass er triumphieren sollte ohne ihm irgendeine Bedingung aufzuerlegen. Das wirkliche Ziel, unser Ziel, war es den Krieg zu provozieren ‑ und Hitler war der Krieg, begreifen Sie?
Kuz.: Ich verstehe. Danach aber sehe ich kein anderes Mittel, ihn zurückzuhalten, als ein Bündnis der Sowjetunion und der demokratischen Völker, das Hitler einschüchtern könnte. Wie ich glaube, ist er doch nicht stark genug sich zur gleichen Zeit gegen alle Staaten der Welt zu wenden, wohl dagegen durchaus stark genug, einen nach dem anderen.
Rak.: Kommt Ihnen das nicht als eine allzu einfache, fast möchte ich sagen, konterrevolutionäre Lösung vor?
Kuz.: Um einen Krieg gegen die Sowjetunion zu vermeiden?
Rak.: Schneiden Sie diesen Satz in der Mitte entzwei : "einen Krieg zu vermeiden", ist das nicht völlig konterrevolutionär? Denken Sie daran : jeder echte Kommunist muss in Nachahmung seiner Idole, Lenin und der anderen großen revolutionären Strategen, immer den Krieg wünschen. Nichts beschleunigt so den Sieg der Revolution wie der Krieg. Das ist ein marxistisch‑leninistisches Dogma, zu dem Sie sich bekennen müssten. Also ‑ dieser stalinistische Nationalkommunismus, dieser Bonapartismus ist fähig, den Verstand der reinsten Kommunisten derartig zu verdunkeln, dass sie die Umkehrung gar nicht mehr erkennen, der Stalin verfällt, nämlich die Revolution der Nation unterordnen, statt die Nation der Revolution !
Kuz.: Ihr Hass gegen Stalin verblendet Sie und verwickelt Sie in Widersprüche. Waren wir nicht darin einig geworden, dass ein Angriff auf die Sowjetunion nicht wünschenswert sei?
Rak.: Und warum muss der Krieg denn notwendigerweise gegen die Sowjetunion gerichtet sein?
Kuz.: Welches andere Volk könnte Hitler denn sonst angreifen? Es ist doch ganz klar, dass er seinen Angriff gegen die Sowjetunion richten wird, wie seine Reden es ankündigen. Welche Beweise wollen Sie noch ?
Rak.: Und wenn Sie und die Männer im Kreml das so fest und diskussionslos glauben, warum haben Sie dann eigentlich den Bürgerkrieg in Spanien provoziert? Sagen Sie mir nicht, das sei aus rein revolutionären Gründen geschehen. Stalin ist gar nicht fähig, irgendeine marxistische Theorie zu verwirklichen. Wäre es ein revolutionärer Grund gewesen, so wäre es nicht korrekt gewesen, in Spanien so und so viel ausgezeichnete internationale revolutionäre Kräfte zu verheizen. Es ist das Volk, das der Sowjetunion am fernsten lebt, und die elementarste, strategische Bildung konnte nicht raten, dort die Kräfte zu vertun. Im Konfliktfall aber, wie hätte Stalin eine spanische Sowjetrepublik versorgen und militärisch stützen können?
Aber ich bleibe ernst : von einem anderen Gesichtspunkt aus waren Revolution und Krieg in Spanien richtig. Dort ist ein wichtiger strategischer Punkt, ein Kreuzweg der sich schneidenden Einflusslinien der kapitalistischen Mächte ‑ man hätte somit einen Krieg unter diesen provozieren können! Ich erkenne an, das war theoretisch richtig, aber nicht in der Praxis. Sie sehen bereits, dass der Krieg zwischen dem demokratischen und dem faschistischen Kapitalismus nicht ausbricht. Und ich sage Ihnen jetzt: wenn Stalin sich für fähig hielt, von sich aus ein Motiv zu schaffen, das geeignet wäre, den Krieg unter den kapitalistischen Nationen zu provozieren, warum sollte man nicht theoretisch annehmen dürfen, dass andere das auch erreichen könnten?
Kuz.: Lässt man die Voraussetzungen gelten, kann man hier auch diese Hypothese zulassen.
Rak.: Also, das gibt einen weiteren Punkt, in dem wir übereinstimmen. Erstens, dass es keinen Krieg gegen die Sowjetunion geben soll, zweitens, dass man ihn unter den bürgerlichen Nationen hervorrufen muss.
Kuz.: Einverstanden. Sagen Sie das als Ihre persönliche Meinung oder als Meinung von "Jenen"?
Rak.: Als meine Meinung. Ich habe weder Auftrag noch Verbindung mit "Jenen", aber ich kann versichern, dass sie in diesen beiden Punkten mit dem Kreml übereinstimmen.
Kuz.: Es ist wichtig, das von vorneherein festzulegen, denn es ist die Hauptsache. Dennoch möchte ich gern wissen, worauf Sie sich berufen, um die Sicherheit zu haben, dass "Jene" zustimmen.
Rak.: Hätte ich genügend Zeit um ihren ganzen Plan darzustellen, wüssten Sie die Gründe, warum sie zustimmen. Heute will ich nur drei nennen.
Rak.: Einer ist, wie ich schon erwähnt habe, dass Hitler, dieser ungebildete Elementarmensch, aus natürlicher Intuition und sogar gegen die technische Opposition von Schacht, ein höchst gefährliches Wirtschaftssystem geschaffen hat. Als Analphabet in jeder Wirtschaftstheorie, nur der Notwendigkeit gehorchend, hat er, wie wir es in der Sowjetunion gemacht haben, die internationale wie die private Finanz ausgeschaltet. Das heißt, er hat sich das Privileg Geld zu machen selbst angeeignet, und zwar nicht nur physisches Geld, sondern auch das Finanzgeld. Er hat die intakte Maschine für Falschgeldherstellung an sich genommen und lässt sie nun für den Staat laufen. Er hat uns überholt, denn wir haben diese in Russland unterdrückt und lediglich durch einen groben Apparat, genannt Staatskapitalismus ersetzt; das war ein sehr teurer Sieg für die notwendige vorrevolutionäre Demagogie. Das sind die beiden Wirklichkeiten, wenn man sie vergleicht. Das Schicksal hat Hitler sogar begünstigt; er besaß fast kein Gold und so konnte er gar nicht in Versuchung geraten, es zu seiner Währungsgrundlage zu machen. Da er als einzige Sicherheit für sein Geld nur über die technische Begabung und die machtvolle Arbeitskraft der Deutschen verfügte, wurden Technik und Arbeit sein Goldschatz, etwas so grundlegend Gegenrevolutionäres, dass es, wie Sie wissen, radikal wie durch Zauberkunst jene Arbeitslosigkeit von mehr als sieben Millionen Technikern und Arbeitern beseitigte.
Kuz.: Durch die beschleunigte Aufrüstung.
Rak.: Ach, keine Spur! Wenn Hitler dazu gekommen ist, im Gegensatz zu allen bürgerlichen Wirtschaftlern, die ihn umgaben, könnte er sehr wohl fähig sein, ohne Kriegsgefahr sein System auf die Friedensproduktion anzuwenden. Können Sie sich ausmalen, was dieses System bedeuten würde, wenn es eine Anzahl Völker ansteckt, die einen wirtschaftlich autarken Kreis bilden? Etwa beispielsweise das Britische Commonwealth? Stellen Sie sich vor, es funktionierte in seiner konterrevolutionären Art! Die Gefahr ist nicht drohend, noch nicht, denn wir haben das Glück gehabt, dass Hitler sein System nicht auf eine ihm vorausgegangene Theorie aufgebaut hat, sondern ganz empirisch, in keiner Weise wissenschaftlich formuliert. Das heißt, dass es keinen rational-deduktiven Prozess durchlaufen hat, es gibt darüber keine wissenschaftliche These, man hat auch keine Lehre daraus formuliert. Aber die Gefahr ist latent; jeden Augenblick kann auf dem Wege der Induktion sich eine Formel ergeben. Das ist sehr ernst, ernster als alles Theater und alle Grausamkeit beim Nationalsozialismus! Unsere Propaganda greift das auch nicht an ‑ denn aus der polemisierenden Kontroverse könnte die Formulierung und Systematisierung der gegenrevolutionären Wirtschaftslehre erwachsen. Da gibt es nur eine Rettung : den Krieg !
Kuz.: Und das zweite Motiv?
Rak.: Wenn der Thermidor der russischen Revolution gesiegt hat, so konnte das geschehen durch das vorherige Bestehen eines russischen Nationalismus. Ohne einen solchen Nationalismus wäre der Bonapartismus unmöglich gewesen. Und wenn das schon in Russland geschah, wo der Nationalismus nur embrionär, persönlich, der Zar war ‑ was für ein Hindernis muss nicht der Marxismus in einem voll entwickelten Nationalismus Westeuropas finden ! Marx ist hinsichtlich des Ortes des revolutionären Sieges einem Irrtum verfallen gewesen. Der Marxismus siegte nicht in der am meisten industrialisierten Nation, sondern in Russland, das fast kein Proletariat hatte. Unser Sieg hier ist neben anderem der Tatsache zuzuschreiben, dass Russland gar keinen wirklichen Nationalismus besaß, während er bei den übrigen Nationen auf der Höhe seiner Entwicklung stand. Sehen Sie, wie er sich bei ihnen mit dieser außergewöhnlichen Macht im Faschismus erhebt und wie er ansteckend wirkt! Sie werden verstehen, dass dieser gerade jetzt für Stalin von Nutzen ist, und dass uns darum die Erdrosselung des Nationalismus in Europa einen Krieg lohnend macht.
Kuz.: Zusammengefasst also haben Sie, Rakowskij, einen wirtschaftlichen und einen politischen Grund angegeben. Und welches ist der dritte?
Rak.: Das ist leicht zu erraten. Wir haben noch einen religiösen Grund. Ohne das niederzuschlagen, was vom Christentum noch lebt, ist es unmöglich, den Kommunismus siegen zu lassen. Die Geschichte ist beredt ‑ es hat die Revolution sechzehn Jahrhunderte gekostet, ehe sie ihren ersten Teilerfolg erringen konnte, indem sie die erste Spaltung des Christentums hervorrief. In Wirklichkeit ist das Christentum unser einziger Feind, denn das Politische und Wirtschaftliche in den bürgerlichen Völkern ist nur seine Folge. Das Christentum, das das Individuum bestimmt, ist fähig, die revolutionäre Ausstrahlung des neutralen, laizistischen oder atheistischen Staates an Luftmangel zugrunde gehen zu lassen, wie wir es in Russland erleben, und schafft sogar diesen geistigen Nihilismus, der in den beherrschten, noch christlichen Massen lebt, ein Hindernis, das auch in zwanzig Jahren Marxismus noch nicht überwunden ist. Wir gestehen Stalin zu, dass er jedenfalls auf dem religiösen Sektor kein Bonapartist war. Auch wir hätten nicht mehr oder anderes getan als er. Ah! Wenn Stalin auch wie Napoleon wagen würde, den Rubikon des Christentums zu überschreiten, dann hätten sich sein Nationalismus und seine gegenrevolutionäre Wirkung um das Tausendfache verstärkt. Und vor allem, dann hätte eine radikale Unüberbrückbarkeit jede Übereinstimmung zwischen uns und ihm unmöglich machen müssen, auch wenn sie nur zeitlich und objektiv ist ‑ wie diejenige, welche sich schon zwischen uns abzeichnet, wie Sie erkennen werden.
Kuz.: Tatsächlich, es ist meine persönliche Meinung, dass Sie die drei Grundpunkte herausgearbeitet haben, über die man die Linie eines Planes ziehen kann. Soviel gebe ich Ihnen für den Augenblick zu. Aber ich mache meine geistigen Vorbehalte, im einzelnen meinen völligen Unglauben hinsichtlich dessen, was Sie auf dem Gebiet von Menschen, Organisationen und Tatsachen ausgeführt haben. Aber, legen Sie schon die Generallinie Ihres Planes dar.
Rak.: Ja, jetzt ja. Der Augenblick ist nun gekommen. Nur einen Vorbehalt: ich spreche unter meiner eigenen Verantwortung. Ich nehme die Verantwortung für die Auslegung der drei vorhergehenden Punkte als Gedanken von "Jenen" auf mich, aber gebe zu, dass "Jene" zur Erreichung der drei Zwecke einen teilweise völlig verschiedenen Plan für wirksamer halten können, als denjenigen, den ich nahelege. Stellen Sie das bitte in Rechnung.
Fassen wir es ganz einfach. Da für die deutsche Militärmacht nicht mehr das gleiche Ziel besteht, für das sie geschaffen wurde, nämlich uns, der Opposition, die Macht in der Sowjetunion zu verschaffen, müssen wir eine Umstellung der Fronten erreichen, den Angriff Hitlers von Osten nach Westen wenden.
Kuz.: Ausgezeichnet ! Haben Sie an einen Plan zur praktischen Verwirklichung gedacht?
Rak.: Dazu hatte ich genug Zeit in Lubjanka. Ich habe nachgedacht. Sehen Sie, wenn es ursprünglich so schwierig war, einen Punkt der Übereinstimmung zwischen uns beiden zu finden und sich dann doch alles ganz natürlich abwickelte, so beschränkt sich nun das Problem darauf, irgend etwas zu finden, in dem auch Stalin und Hitler übereinstimmen.
Kuz.: Ja, aber Sie werden zugeben, dass selbst das schon ein Problem ist.
Rak.: Aber kein so unlösbares, wie Sie glauben. In Wirklichkeit gibt es nur dann unlösbare Probleme, wenn sie einen subjektiven dialektischen Widerspruch einschließen. Hitler und Stalin aber können übereinstimmen, denn bei aller Verschiedenheit sind sie in ihrer Wurzel identisch; mag Hitler in pathologischem Grade ein Gefühlsmensch und Stalin normal sein, so sind sie doch beide Egoisten; keiner ist Idealist, darum sind sie beide Bonapartisten, das heißt klassische Imperialisten. Da das aber so ist, lässt sich eine Übereinstimmung der beiden leicht erzielen. Warum auch nicht, wenn dies sogar zwischen einer Zarin und einem preußischen König möglich war.
Erraten Sie es nicht? Wenn Polen bewirkte, dass Katharina II und Friedrich II sich verständigten ‑ jeder von beiden ein Muster für den jetzigen "Zar" und den jetzigen "König" in Russland bzw. Preußen ‑ warum sollte Polen nicht auch die Ursache für eine Verständigung zwischen Hitler und Stalin sein? Die geschichtliche Linie von den Zaren zu den Bolschewisten und von den Monarchen zu den Nationalsozialisten ebenso wie alles Persönliche bei Hitler und Stalin könnten sich in Polen treffen. Sowohl unsere Linie als auch derjenigen von "Jenen". Übrigens ist das ein christliches Volk und ein weiterer erschwerender Umstand, ein katholisches Volk.
Kuz.: Und angenommen, sie stimmen in diesem Dritten überein?
Rak.: Wenn Willensübereinstimmung besteht, ist ein Vertrag möglich.
Kuz.: Zwischen Hitler und Stalin? Verrückt ! Unmöglich !
Rak.: Es gibt nichts Verrücktes, noch weniger Unmögliches in der Politik.
Kuz.: Nehmen wir also als Hypothese an: Hitler und Stalin greifen Polen an.
Rak.: Darf ich unterbrechen : ihr Angriff kann lediglich die Alternative "Krieg oder Frieden" hervorrufen ‑ das müssen Sie zugeben.
Halten Sie England und Frankreich mit ihrer Unterlegenheit an Heer und Flugwaffe für fähig, Hitler und Stalin anzugreifen, wenn diese zusammenhalten?
Kuz.: In der Tat ‑ das scheint mir schwierig, wenn es Amerika nicht gäbe.
Rak.: Lassen Sie einen Augenblick die Vereinigten Staaten aus dem Spiel. Sie gestehen mir also zu, dass ein Angriff Hitlers und Stalins auf Polen keinen europäischen Krieg auslösen kann?
Kuz.: Logisch, das erscheint nicht sehr möglich.
Rak.: In diesem Falle wäre ein Angriff auf Polen fast sinnlos. Er würde nicht zur gegenseitigen Zerstörung der bürgerlichen Staaten führen, die Drohung Hitlers gegen die Sowjetunion würde nach Durchführung der Teilung Polens, weiterbestehen, wenn auch vorerst theoretisch. Deutschland und die Sowjetunion hätten sich gleichmäßig verstärkt, praktisch jedoch hätte sich Hitler mehr verstärkt; denn die Sowjetunion braucht weder Land noch Rohstoffe, um stärker zu werden, wohl aber braucht sie Deutschland.
Kuz.: Das ist richtig gesehen. Aber es scheint keine andere Lösung zu geben.
Rak.: Es gibt doch eine Lösung.
Kuz.: Welche?
Rak.: Dass die Demokratien den Aggressor angreifen und nicht angreifen.
Kuz.: Jetzt schweifen Sie ab. Angreifen und nicht angreifen zugleich ist eine völlige Unmöglichkeit.
Rak.: Glauben Sie? Beruhigen Sie sich! Wären nicht beide Angreifer? Sind wir nicht einig darüber geworden, dass der Angriff nur durchgeführt wird, wenn ihn beide unternehmen? Gut, was wäre dabei undenkbar, dass die Demokratien nur einen der Aggressoren angreifen?
Kuz.: Was wollen Sie damit sagen?
Rak.: Einfach dass die Demokratien nur einem der Angreifer den Krieg erklären, genau gesagt, Hitler !
Kuz.: Das ist nur eine billige Hypothese.
Rak.: Hypothese ja, aber keineswegs billig. Überlegen Sie: jedes Volk, das gegen eine Koalition feindlicher Staaten kämpfen muss, hat als wichtigstes strategisches Ziel, sie getrennt, einen nach dem anderen, zu schlagen. Das ist eine so wohlbekannte und vernünftige Regel, dass man sie nicht erst beweisen muss. Also, Sie werden mit mir übereinstimmen, diese Gelegenheit zu schaffen wäre nicht falsch. Da Stalin sich durch einen Angriff der Demokratien auf Hitler selbst nicht angegriffen fühlt und ihm auch nicht beisteht, ergibt sich die Frage : ist das nicht der richtige Weg? Außerdem legen die Geographie und vor allem auch die Strategie das nahe. Frankreich und England werden doch nicht so dumm sein, zu gleicher Zeit gegen zwei Mächte kämpfen zu wollen, von denen eine bereit ist, neutral zu bleiben, und die andere ohnehin schon für sie eine harte Nuss darstellt. Und von wo aus sollten sie denn einen Angriff auf die Sowjetunion durchführen? Sie haben mit ihr keine gemeinsame Grenze, es sei denn, sie griffen über den Himalaya hinweg an. Gewiss, es bleibt die Front in der Luft, aber womit und von wo aus sollten sie Russland angreifen? In der Luft sind sie Hitler völlig unterlegen. Was ich da geltend mache, ist ja kein Geheimnis, es ist nur allzu sehr bekannt. Wie Sie sehen, vereinfacht sich alles sehr.
Kuz.: Ja, wenn man den Konflikt auf die vier Mächte begrenzt, sind Ihre Schlüsse logisch. Aber es sind nicht vier ‑ es sind viele, und die Neutralität ist in einem Krieg von solchem Umfang nicht leicht aufrechtzuerhalten.
Rak.: Gewiss, aber auch das mögliche Eingreifen weiterer Nationen ändert das gegenseitige Verhältnis der Kräfte nicht. Machen Sie im Geist eine Bilanz und Sie werden sehen, dass das Gleichgewicht bleibt, auch wenn mehrere oder alle europäischen Nationen eingreifen sollten. Außerdem, und das ist wichtig, keine andere Nation, die an der Seite von England und Frankreich in den Krieg eintreten würde, könnte diesen die Führung abnehmen; damit aber bleiben die Gründe gültig, die diese an einem Angriff auf die Sowjetunion hindern.
Kuz.: Sie vergessen die Vereinigten Staaten.
Rak.: Sie werden gleich sehen, dass ich sie nicht vergesse. Ich beschränke mich darauf, ihre Position in dem uns vorliegenden Problem zu untersuchen, und sage Ihnen, dass Amerika nicht erwirken kann, dass Frankreich und England Hitler und Stalin gleichzeitig angreifen. Um das zu können, müssten die Vereinigten Staaten vom ersten Tage an in den Krieg eintreten. Und das ist unmöglich. Erstens, weil die USA niemals in einen Krieg eingetreten sind noch eintreten werden, wenn sie nicht angegriffen werden, wann immer es ihnen passt. Hat die Provokation keinen Erfolg und der Gegner hat sie eingesteckt, dann ist die Aggression einfach erfunden worden. In ihrem ersten internationalen Kriege, 1898 gegen Spanien, dessen Niederlage unzweifelhaft war, hat man die Aggression einfach fingiert, oder "Jene" haben sie fingiert. 1914 hatte die Provokation Erfolg. Gewiss wird man darüber streiten, ob sie technisch stattgefunden hat, aber es ist eine Regel ohne Ausnahme, dass, wer eine Aggression begeht, ohne dass sie ihm hilft, sie begeht, weil er provoziert worden ist. Also: diese wunderschöne amerikanische Taktik, der ich meinen Beifall nicht versage, unterliegt immer einer Bedingung: dass die Aggression "richtig" erfolgt, nämlich wenn es dem "Angegriffenen" passt, also den Vereinigten Staaten, d.h. wenn sie militärisch gerüstet sind. Ist das heute der Fall? Offensichtlich nicht. Die USA haben heute kaum hunderttausend Mann unter Waffen und eine mittelmäßige Flugwaffe; respektabel ist nur die Schlachtflotte. Aber verstehen Sie, dass sie damit die Alliierten nicht für einen Angriff auf die Sowjetunion gewinnen können, zumal auch England und Frankreich nur eine Überlegenheit haben, nämlich in der Luft. Ich habe also wieder nachgewiesen, dass es von hier aus keine Änderung im Verhältnis der Kräfte geben kann.
Kuz.: Auch wenn ich das zugebe, erklären Sie mir doch die technische Umsetzung.
Rak.: Da, wie Sie gesehen haben, Stalins und Hitlers Interessen für ihren Angriff auf Polen zusammenfallen, bleibt nur noch übrig, diese Übereinstimmung zu formulieren und einen Vertrag über den Doppelangriff zu schließen.
Kuz.: Und das halten Sie für sehr leicht?
Rak.: Gewiss nicht. Man brauchte dazu eine erfahrenere Diplomatie als sie Stalin hat. Man müsste diejenige dafür im Dienst haben, die Stalin enthauptet hat oder die jetzt in der Lubjanka verfault. Litwinow wäre in früheren Zeiten dazu fähig gewesen, wenn auch mit gewissen Schwierigkeiten, weil seine Rassenzugehörigkeit ein großes Handicap für Verhandlungen mit Hitler gewesen wäre, aber heute ist er als Mensch fix und fertig, gejagt von einem panischen Schrecken. Er hat eine tierische Angst, weniger vor Stalin als vor Molotow. All sein Talent ist darauf konzentriert, dass man ihn nicht für einen Trotzkisten hält. Ich sehe den geeigneten Mann nicht ‑ außerdem müsste er ein reinblütiger Russe sein. Ich würde mich für die erste Fühlungnahme anbieten. Und ich rege an, dass wer immer die Gespräche beginnt, die auf einer ganz vertraulichen Ebene stattfinden müssten, von Ehrlichkeit überfließen muss. Angesichts der Mauer von Vorurteilen kann man Hitler nur mittels der Wahrheit hereinlegen.
Kuz.: Ich verstehe wieder einmal Ihre Rede in Paradoxen nicht.
Rak.: Entschuldigen Sie, das ist sie nur scheinbar. Die Notwendigkeit der Zusammenfassung zwingt mich dazu. Ich wollte sagen, dass man im Konkreten und Naheliegenden mit Hitler mit offenen Karten spielen muss. Man muss ihm zeigen, dass es sich um kein abgekartetes Spiel von Provokationen handelt, um ihn in einen Zweifrontenkrieg zu verwickeln. Zum Beispiel kann man ihm versprechen und im gegebenen Augenblick auch zeigen, dass unsere Mobilmachung sich nur auf die wenigen Kräfte beschränken wird, die für den Einmarsch in Polen nötig sein werden, was in der Tat wenig Truppen erfordert. Unsere wirkliche Disposition müsste dahin gehen, dass er seine verfügbaren Massen zur Abwehr eines angenommenen englisch‑französischen Angriffes festlegt. Stalin müsste großzügig sein in den Lieferungen, um die Hitler ersucht. Besonders was das Erdöl betrifft. Das ist es, was mir so im Augenblick in den Kopf kommt. Es werden sich tausend ähnliche Fragen stellen, alle der gleichen Art, die so gelöst werden müssen, dass sie Hitler die Sicherheit geben, dass wir nur unseren Teil von Polen nehmen wollen. Und weil es in der Praxis so gemacht wird, wird Hitler mit der Wahrheit getäuscht.
Kuz.: Aber, in diesem Fall ‑ wo soll da die Täuschung liegen?
Rak.: Ich lasse Ihnen einige Augenblicke, damit Sie selber entdecken, wo sich Hitlers Täuschung finden lässt. Vorher aber möchte ich betonen, und Sie müssen es notieren, dass ich bis zu diesem Augenblick einen logischen, normalen Plan entworfen habe, durch den man dazu kommen kann, dass sich die kapitalistischen Staaten gegenseitig zerstören, indem man ihre beiden Flügel den faschistischen gegen den bürgerlichen, aufeinander stoßen lässt. Aber, ich wiederhole, mein Plan ist logisch und normal. Wie Sie gesehen haben, kommen weder mysteriöse noch irgendwie fremdartige Faktoren dabei ins Spiel. Mit einem Wort, "Jene" greifen nicht ein, damit seine Durchführung möglich wird. Und doch glaube ich Ihren Gedanken zu erraten ‑ Sie denken in diesem Augenblick, dass es dumm war, die Zeit damit zu vertrödeln, die unbeweisbare Existenz und die Macht von "Jenen" nachweisen zu wollen. Nicht wahr?
Kuz.: Das stimmt.
Rak.: Seien Sie offen zu mir. Sehen Sie ihr Eingreifen wirklich nicht!? Ich sage Ihnen zu Ihrer Hilfe, dass ihr Eingreifen existiert und entscheidend ist. Auch wenn die Logik und die Natürlichkeit des Planes reiner Schein ist. Erkennen Sie "Jene" denn wirklich nicht?
Kuz.: Offen gesagt, nein.
Rak.: Und doch ist die Logik und die Natürlichkeit meines Planes reiner Schein. Das Natürliche und Logische wäre es, wenn sich Hitler und Stalin gegenseitig vernichten. Eine einfache und leichte Sache für die Demokratien, wenn ihr Ziel wirklich das wäre, das sie proklamieren, obwohl viele Demokraten das glauben; denn es wäre genug, wenn sie Hitler erlauben ‑ halten Sie das fest "erlauben" ‑ würden, Stalin anzugreifen. Sagen Sie mir nicht, dass Deutschland siegen könnte. Wenn der russische Raum und die Verzweiflung Stalins und der Seinigen unter dem Beil Hitlers oder gegenüber der Rache ihrer Opfer nicht ausreichen sollten, die Militärmacht Deutschlands zu ersticken, so stände ja dem nichts im Wege, dass die Demokratien klug, methodisch Stalin unterstützten, wenn sie sehen, dass er schwach wird, und ihre Hilfe bis zur völligen Erschöpfung der beiden Heere fortsetzen. Das würde gewiss leicht, natürlich und logisch sein, wenn die Beweggründe und Absichten der Demokratien, die viele ihrer Menschen für wahr halten, Tatsachen wären, und nicht, was sie wirklich sind : Vorwände. Es gibt ein Ziel, ein einziges Ziel ‑ den Sieg des Kommunismus, den aber zwingt niemand andere den Demokratien auf als New York. Nicht die "Komintern", sondern die "Kapintern" der Wallstreet. Wer außer ihr könnte Europa einen so offensichtlichen und völligen Widerspruch aufzwingen? Wer kann die Kraft sein, die es zum totalen Selbstmord treibt? Nur eine ist dazu fähig : das Geld. Das Geld ist Macht, die einzige Macht.
Kuz.: Ich will offen mit Ihnen sein Rakowskij. Ich gestehe Ihnen Gaben eines außergewöhnlichen Talentes zu. Sie haben eine brillante, aggressive, feine Dialektik, wenn diese Sie im Stich lässt, kann Ihre Phantasie immer noch einen bunten Vorhang, der wie leuchtende und klare Perspektiven aussieht, spinnen. Aber das alles, auch wenn es mir Freude macht, genügt mir nicht. Ich befrage Sie also, als ob ich alles glaubte, was Sie mir gesagt haben.
Rak.: Und ich gebe Ihnen die Antwort unter der einzigen Bedingung, dass Sie mir weder mehr noch weniger, als ich gesagt habe, unterstellen.
Kuz.: Zugesagt. Sie sagen also, dass "Jene" den vom kapitalistischen Standpunkt logischen Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion hindern und hindern werden? Lege ich das richtig aus?
Rak.: Völlig richtig.
Kuz.: Aber die gegenwärtige Lage ist so, dass sie die deutsche Ausdehnung und Wiederbewaffnung gestatten. Das ist eine Tatsache. Ich weiß schon, dass nach Ihrer Auffassung, der heute durch die "Säuberungen" gescheiterte trotzkistische Plan der Beweggrund dafür war, insofern schon ohne Ziel ! In dieser neuen Situation regen Sie lediglich an, dass Hitler und Stalin einen Pakt schließen und sich Polen teilen sollen. Und ich frage Sie: was garantiert uns, dass mit oder ohne Pakt, mit oder ohne die Teilung Polens, Hitler die Sowjetunion nicht angreifen wird?
Rak.: Da gibt es keine Garantie.
Kuz.: Warum also weitersprechen?
Rak.: Überstürzen Sie nichts; die furchtbare Drohung gegen die Sowjetunion ist praktisch und real. Es ist keine Hypothese oder Drohung mit Worten. Es ist eine Tatsache, eine zwingende Tatsache. "Jene" haben schon eine Überlegenheit über Stalin, die sie nicht aufgeben dürfen. Stalin bietet sich nur eine Alternative, eine Option, keine volle Freiheit. Hitlers Angriff rollt ganz von selbst an, "Jene" brauchen nichts zu tun, um ihn hervorzurufen, brauchen ihn nur handeln zu lassen. Das ist die entscheidende Grundtatsache, die Sie in Ihrer sehr vom Kreml geprägten Denkweise vergessen haben. Umdenken, mein Herr, umdenken !
Kuz.: Welche Option?
Rak.: Ich werde es noch einmal definieren: entweder wird Stalin zertreten oder er führt den Plan durch, wie ich ihn gezeichnet habe, damit sich die europäischen kapitalistischen Staaten gegenseitig vernichten. Ich habe das eine Alternative genannt, aber, wie Sie sehen, ist es nur eine theoretische Alternative. Stalin wird sich gezwungen sehen, wenn er überleben will, den von mir vorgeschlagenen Plan durchzuführen, sobald er von "Jenen" gebilligt ist.
Kuz.: Und wenn er Nein sagt?
Rak.: Das wird unmöglich sein. Die deutsche Ausdehnung und Aufrüstung werden weitergehen. Wenn Stalin sich ihr gegenüber sieht, riesig, bedrohlich ‑ was soll er dann machen? Sein eigener Selbsterhaltungstrieb wird ihm das diktieren !
Kuz.: Es scheint, dass die Ereignisse sich nach der von "Jenen" entworfenen Planung abwickeln müssen.
Rak.: So ist es. Natürlich in der Sowjetunion ist es heute noch nicht so, aber früher oder später wird es soweit sein. Es ist nicht schwer, vorauszusagen und zur Durchführung zu bringen, wenn etwas demjenigen passt, der es durchführen soll, in diesem Falle Stalin, den ich nicht für einen Selbstmordkandidaten halte. Es ist viel schwerer vorauszusagen oder die Durchführung jemand aufzuerlegen, dem es nicht passt, also in diesem Falle den Demokratien. Ich habe es mir für diesen Augenblick aufgehoben, die wirkliche Lage zu konkretisieren. Aber lösen Sie sich von dem Gedanken, dass Sie in der gegebenen Lage Schiedsrichter seien ‑ Schiedsrichter sind "Jene".
Kuz.: Immer wieder "Jene"! Müssen wir mit Gespenstern umgehen?
Rak.: Sind Tatsachen Gespenster? Die internationale Lage wird voller Wunder, aber nicht gespenstisch sein; sie ist real und recht real. Es gibt kein Zauberstück, dort wird nämlich die zukünftige Politik bestimmt. Halten Sie das für das Werk von Gespenstern?
Kuz.: Wir wollen sehen. Nehmen wir also an, Ihr Plan würde angenommen. Etwas Greifbares, Persönliches müssten wir kennen, um zu verhandeln.
Rak.: Zum Beispiel?
Kuz.: Eine Person mit Vertretungsmacht, mit Vollmachten.
Rak.: Und warum? Um des Vergnügens willen, sie zu kennen und zu sprechen? ‑ Berücksichtigen Sie, dass die angenommene Person, falls sie sich einstellt, keine Beglaubigungsschreiben mit Siegel und Stempel mitbringen, keine Diplomatentracht tragen wird, am allerwenigsten von "Jenen"; was sie sagt oder verspricht, was sie an Verträgen abschließt, wird keinerlei juristischen oder sonstigen Vertragswert haben. Verstehen Sie, dass "Jene" kein Staat sind, sie sind, was die Internationale vor 1917 war, was sie offiziell heute noch ist ‑ zugleich Nichts und Alles. Stellen Sie sich vor, die Sowjetunion wollte mit der Freimaurerei, mit einer Spionage-Organisation, mit dem mazedonischen Komitadschi oder den kroatischen Ustascha verhandeln. Würde es da irgendetwas Amtliches, Geschriebenes, juristisch Vertragliches geben? Solche Verträge, wie diejenigen zwischen Lenin und dem deutschen Generalstab oder die von Trotzki mit "Jenen" vollziehen sich ohne Brief und Siegel. Die einzige Garantie für ihre Erfüllung beruht darin, dass es den Vertragschließenden nützlich ist, den Vertrag zu erfüllen ‑ und das ist die einzige wirkliche Garantie bei jedem Vertrag, auch wenn er mit noch soviel Feierlichkeit geschlossen wird.
Kuz.: In diesem Falle ‑ wie würden Sie beginnen?
Rak.: Ehrlich gesagt, ich würde noch morgen anfangen, Berlin zu sondieren.
Kuz.: Um den Angriff auf Polen zu vereinbaren?
Rak.: Damit würde ich nicht anfangen. Ich würde mich entgegenkommender zeigen, etwas enttäuscht von den Demokratien, würde in Spanien etwas nachgeben ... Das wäre eine Tatsache, die Mut macht; dann würde ich vage auf Polen anspielen. Wie Sie sehen ‑ keine Festlegungen, aber genug, damit die Elemente des OKW, die Männer der Bismarck‑Linie, wie sie sich nennen, Hitler gegenüber Argumente bekommen. Im Augenblick nicht mehr. Das ist schon eine große diplomatische Aufgabe.
Kuz.: Offen gesagt, bei den heute herrschenden Gedankengängen im Kreml glaube ich nicht, dass gegenwärtig irgendjemand es wagen wird eine so radikale Wendung in der internationalen Politik anzuraten. Ich fordere Sie auf, Rakowskij, sich doch einmal im Geiste in den entscheidenden Mann im Kreml zu versetzen. Nur mit Ihren Enthüllungen, Ihren Gründen, Ihren Hypothesen und Anregungen ‑ da werden Sie mir zustimmen, dass sich damit niemand überzeugt werden kann. Ich selbst, der ich Sie gehört habe und ‑ ich darf das nicht leugnen ‑ einen starken Eindruck von Ihren Worten und Ihrer Person bekommen habe, habe mich doch nicht einen Augenblick versucht gefühlt, praktisch einen Vertrag zwischen der Sowjetunion und Deutschland ins Auge zu fassen.
Rak.: Die internationalen Ereignisse werden mit unwiderstehlicher Gewalt dazu zwingen.
Kuz.: Aber das hieße wertvolle Zeit verlieren. Sprechen Sie über etwas Greifbares, was ich als Beweis für die Glaubwürdigkeit vorlegen kann. Sonst getraue ich mich nicht, den Bericht über unsere Unterhaltung nach oben durchzugeben; ich werde ihn mit aller Wortgenauigkeit abfassen, aber er wird in einem Archiv des Kreml schlummern.
Rak.: Würde es genügen, damit Sie ihn in Betracht ziehen, dass jemand, auch nichtamtlich, mit einer wichtigen Persönlichkeit spricht?
Kuz.: Das wäre, wie ich glaube, etwas Greifbares.
Rak.: Aber, mit wem?
Kuz.: Das ist meine persönliche Meinung, Rakowskij, Sie haben von konkreten Personen gesprochen, von großen Finanzmännern, wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie einen gewissen Schiff angeführt, auch einen anderen, der als Verbindungsmann zu Hitler bei dessen Finanzierung gedient hat. Es wird auch Politiker oder Persönlichkeiten von Rang geben, die zu "Jenen" gehören oder die "Jenen" dienen. So einer könnte uns dienen, um etwas Praktisches einzuleiten. Kennen Sie da jemanden?
Rak.: Ich sehe die Notwendigkeit nicht. Überlegen Sie ‑ worüber wollen Sie verhandeln? Gewiss über den Plan, den ich anregte, nicht wahr? Aber wozu? Bei diesem Plan haben "Jene" im Augenblick nichts zu tun, ihre Aufgabe ist "Nicht handeln". Also können Sie keine positive Aktion vereinbaren oder fordern. Erinnern Sie sich und überlegen Sie.
Ich werden Ihnen den Gefallen tun, obwohl ich von der Nutzlosigkeit überzeugt bin. Ich sagte Ihnen schon, dass ich nicht weiß, wer "Jene" sind. Zur Sicherheit hat mir das auch einer gesagt, der es wissen musste.
Kuz.: Wer?
Rak.: Trotzki. Weil Trotzki es mir gesagt hat weiß ich nur, dass einer von "Jenen" Walther Rathenau, der Mann von Rapallo, war. Da sehen Sie den letzten von "Jenen", der öffentlich politische Macht ausübte, wie er es war, der die Wirtschaftsblockade um die Sowjetunion brach, obwohl er einer der größten Millionäre war. Dann war es Lionel Rothschild. Gewiss, ich könnte jetzt mehr Namen nennen, deren Persönlichkeit und Taten sie mir völlig mit "Jenen" übereinstimmend erscheinen lassen aber ob diese Männer dabei befehlen oder gehorchen, kann ich nicht sagen.
Kuz.: Nennen Sie mir einige.
Rak.: Als Einheit das Bankhaus Kuhn, Loeb & Co. in der Wallstreet; innerhalb dieses Bankhauses die Familie Schiff, Warburg, Loeb und Kahn; ich sage Familie trotz der verschiedenen Familiennamen, denn sie sind alle untereinander durch Ehen verbunden, Baruch, Frankfurter, Altschul, Cohen, Benjamin, Straus, Steinhardt, Blum, Rosenman, Lippman, Lehman, Dreyfus, Lamont, Rothschild, Lord, Mandel, Morgenthau, Ezechiel, Lasky. Ich nehme an, das sind genug Namen. Wenn ich mein Gedächtnis anstrenge, kann ich mich an noch mehr erinnern. Aber, ich wiederhole, dass ich nicht weiß, wer einer von "Jenen" sein kann, noch dass ich versichern könnte, dass notwendigerweise einer es ist. Ich muss da alle Verantwortung ablehnen. Aber ich glaube fest, dass jeder einzelne der von mir Aufgeführten, auch wenn er es nicht selbst ist, einen substantiierten Vorschlag an "Jene" kommen lassen würde. Danach ‑ ob man nun die richtige Person getroffen hat oder nicht ‑ muss man nicht auf eine direkte Antwort warten. Die Antwort geben die Tatsachen. Das ist eine unveränderliche Technik, die sie beachten und deren Beachtung sie durchzusetzen wissen. Zum Beispiel, wenn Sie einen diplomatischen Schritt machen wollen, müssen Sie nicht die persönliche Form anwenden und sich an "Jene" zu wenden. Beschränken Sie sich darauf, eine Erwägung, eine vernunftgemäße Hypothese auszudrücken. Dann braucht man nur abzuwarten.
Kuz.: Sie werden verstehen, dass ich jetzt keinen Zettelkasten hier habe, um alle die Personen nachzusehen, die Sie erwähnt haben, aber ich nehme an, dass diese sehr weit weg sind. Wo sind sie?
Rak.: Zum größten Teil in den Vereinigten Staaten.
Kuz.: Können wir demnach annehmen, dass die amerikanische Regierung hinter all dem steht?
Rak.: Dahinter nicht, darunter.
Kuz.: Roosevelt?
Rak.: Soweit ich weiß. Folgen Sie mir mit Ihrer Manie für Spionageromane ! Ich könnte, um Ihnen zu gefallen, eine ganze Geschichte fabrizieren : ich habe genug Erfindungsgabe, echte Daten und Tatsachen, um einen Schein der Wahrheit zu schaffen, der an der Beweiskraft streift. Aber sind die öffentlich bekannten Tatsachen nicht viel augenfälliger? Sehen Sie selbst! Erinnern Sie sich jenes Morgens des 24. Oktobers 1929. Es wird eine Zeit kommen da er für die Geschichte der Revolution ein wichtigerer Tag sein wird als der 24. Oktober 1917. Dieser 24te ist der Tag des Kraches an der Börse in New York, der Beginn der sogenannten Depression, der wirklichen Revolution ‑ zwölf bis fünfzehn Millionen Arbeitslose ! Im Februar 1933 ist der letzte Schlag der Krise mit der Schließung der Banken. Mehr konnte die Finanz nicht tun, um den klassischen Amerikaner, der noch verschanzt im Reduit seiner Industrie saß, auf den Kopf zu schlagen und ihn wirtschaftlich an die Wallstreet zu versklaven. Es ist bekannt, dass jede Verarmung der Wirtschaft ein Blühen des Parasitentums bedeutet ‑ und die Finanz ist der große Parasit. Aber diese amerikanische Revolution hatte nicht nur das wucherische Ziel, die Macht des Geldes zu steigern, sie wollte viel mehr. Die Macht des Geldes, obwohl sie eine politische Macht ist, war bisher immer nur auf indirekte Weise ausgeübt worden ‑ jetzt aber sollte sie sich in unmittelbare Macht verwandeln. Der Mann, durch den sie dies ausüben wollten, sollte Franklin Delano Roosevelt sein. Haben Sie verstanden? Notieren Sie das: in diesem Jahr 1929, dem ersten Jahr der amerikanischen Revolution, im Februar, reist Trotzki aus Russland aus; der Krach ist im Oktober. Die Finanzierung Hitlers wird im Juli 1929 bewilligt. Glauben Sie das sind nur Zufälle? Die vier Jahre von Hoover werden dazu verwandt, um die Machtergreifung in den Vereinigten Staaten und in Russland vorzubereiten, dort durch die finanzielle Revolution, hier durch den Krieg und die darauf folgende Herbeiführung der Niederlage. Wird ein guter Roman für Sie mehr Beweiskraft haben? Aber Sie werden verstehen, dass ein Plan von derartigem Umfang einen außergewöhnlichen Mann als Inhaber der Exekutivgewalt in den Vereinigten Staaten benötigte, dazu bestimmt, die organisierende und entscheidende Kraft zu werden: dieser Mann war Franklin Roosevelt und mit ihm Eleanor Roosevelt. Gestatten Sie mir zu bemerken, dass diese Bisexualität keinerlei Ironie ist, man musste ungleiche Dalilas vermeiden.
Kuz.: Ist Roosevelt einer von "Jenen"?
Rak.: Ich weiß nicht, ob er einer von "Jenen" ist oder ihnen nur gehorcht. Was bedeutet das schon? Ich glaube, er ist sich seines Auftrages bewusst, aber ich kann nicht bestimmt sagen, ob er durch Erpressung gehorsam gemacht ist oder ob er zur Leitung gehört, aber sicher ist, dass er seinen Auftrag erfüllt, seine Aktion durchführt, die ihm übertragen ist, und zwar mit aller Gewissenhaftigkeit. Fragen Sie mich nicht mehr, denn ich weiß nicht mehr.
Kuz.: Im Falle man sich entschließt, sich an [US Botschafter] Davies zu wenden, welche Form würden Sie empfehlen?
Rak.: Zuerst muss man die Personen richtig auswählen. Jemand wie der "Baron" könnte zu gebrauchen sein. Lebt er noch?
Kuz.: Ich weißes nicht.
Rak.: Gut, die Auswahl der Person bleibt Ihre Sache. Ihr Abgesandter muss sich vertraulich und indiskret, am besten als getarnt oppositionell zeigen. Die Unterhaltung wird mit Geschick bis zu der widerspruchsvollen Lage vorgetrieben, in die die sogenannten europäischen Demokratien die Sowjetunion mit ihrer Allianz gegen den Nationalsozialismus versetzen. Das heißt, sich mit dem britischen und französischen Imperialismus, einem wirklichen Imperialismus, gegen einen potentiellen zu verbünden. Ein Glied im Gespräch wird dazu dienen, die falsche Stellung der Sowjetunion dabei mit der gleichfalls falschen Stellung der amerikanischen Demokratie zu vergleichen. Auch die amerikanische Demokratie sieht sich gedrängt, um eine innere Demokratie in Frankreich und England zu verteidigen, einen Kolonialimperialismus aufrechtzuerhalten. Wie Sie sehen, kann man die Frage auf eine sehr starke logische Grundlage stellen. Dann ist es kinderleicht, eine Hypothese für die Aktion zu formulieren. Erstens: wenn weder die Sowjetunion noch die USA ein Interesse am europäischen Imperialismus haben, dann schrumpft der Streit auf eine Frage der persönlichen Herrschaft zusammen. Ideologisch, politisch und wirtschaftlich aber würde Rußland und Amerika die Zerstörung des europäischen Kolonialimperialismus nützen, ganz gleich, ob direkt oder indirekt, aber noch mehr den Vereinigten Staaten. Wenn Europa in einem neuen Kriege alle seine Kraft verliert, würde England, das über keine eigene Kraft, sondern nur über solche als europäische Hegemonialmacht verfügt, sobald Europa als Machtpotenz verschwindet, mit seinem britischen Empire englischer Sprache sofort zu den Vereinigten Staaten gravitieren, wie es politisch und wirtschaftlich schicksalhaft ist.....
Kuz.: Und sie würden uns nicht mittels der Wahrheit betrügen?
Rak.: Und wie denn? Behält nicht Stalin die Freiheit, im notwendigen Maße Hitler zu unterstützen? Lassen wir es nicht in seiner Hand, den Krieg unter den Kapitalisten bis zum letzten Mann und letzten Pfund in die Länge zu ziehen? Womit sollen sie ihn denn angreifen? Schon mit der kommunistischen Revolution im Inneren, die siegen wird, werden die kapitalistischen Staaten genug zu tun haben.
Kuz.: Aber wenn Hitler schnell siegt? Wenn er, wie Napoleon, ganz Europa gegen die Sowjetunion mobilisiert?
Rak.: Das ist unglaublich! Sie vergessen den wichtigsten Faktor, die Existenz der USA. Ist es dann nicht natürlich, dass die USA Stalin nachahmen und ihrerseits die demokratischen Völker unterstützen? Wenn man "gegen die Uhr" diese beiden Hilfeleistungen für die beiden kämpfenden Lager zusammenwirken lässt, so sichert das unfehlbar die endlose Dauer des Krieges.
Kuz.: Und Japan?
Rak.: Hat es nicht schon genug mit China zu tun? Stalin mag ihm seine "Nichtintervention" garantieren. Die Japaner haben ja eine Neigung zum Selbstmord, aber doch nicht so sehr, dass sie zugleich die Sowjetunion und die USA angreifen. Noch mehr Einwände?
Kuz.: Nein, wenn es von mir abhinge, wäre es Beweis genug. Aber glauben Sie, dass der Botschafter....
Rak.: Es glauben wird? Man hat mich nicht mit ihm reden lassen. Aber beachten Sie eine Einzelheit ‑ die Ernennung von Davies wurde im November 1936 veröffentlicht; wir müssen annehmen, dass Roosevelt seine Entsendung schon früher plante und betrieb; alle kennen ja die Umständlichkeiten und die Zeit, die es erfordert, amtlich die Ernennung eines Botschafters durchzuführen. Man muss also etwa im August sich über seine Ernennung geeinigt haben. Und was geschah im August? Damals wurden Sinowiew und Kamenew erschossen. Ich möchte schwören, dass seine Ernennung den einzigen Zweck hat, aufs neue die Politik von "Jenen" gegenüber Stalin festzulegen. Ja, das glaube ich fest. Mit welcher Besorgnis hat er einen nach dem anderen der Führer der Opposition in den auf einander folgenden Parteisäuberungen fallen sehen müssen. Wissen Sie, dass er bei dem Prozess von Radek anwesend war?
Kuz.: Ja.
Rak.: Sie sehen ihn! Sprechen Sie mit ihm. Er wartet seit vielen Monaten.
Kuz.: Für diese Nacht müssen wir schließen. Aber bevor wir uns trennen, will ich etwas mehr wissen. Nehmen wir an, dass alles Wahrheit ist, sich mit vollem Erfolg verwirklichen lässt. Dann werden "Jene" gewisse Bedingungen stellen. Können Sie erraten, welche das sein werden?
Rak.: Es ist nicht schwer, das zu unterstellen. Die erste wird sein, dass die Hinrichtungen von Kommunisten, d.h. von Trotzkisten, wie sie uns nennen, aufhören. Dann wird man einige Einflusszonen festlegen wie soll ich sagen? ‑ die Grenzen, die den formalen vom wirklichen Kommunismus trennen. Im wesentlichen wird es nicht mehr sein. Dann wird es sich um Versprechen gegenseitiger Hilfe handeln für die Zeit der Dauer des Planes. Sie werden dann z.B. das Paradox erleben, dass eine Menge von Menschen, Feinde Stalins, ihn fördern, und das werden weder Proletarier noch Berufsspione sein. In allen Rängen der Gesellschaft, auch in den höchsten, werden mutige Männer sich erheben, um diesen Formalkommunismus Stalins zu unterstützen, wenn er dazu übergeht, nicht zwar Realkommunismus, aber doch objektiver Kommunismus zu sein. Haben Sie mich verstanden?
Kuz.: Ein wenig. Aber Sie verhüllen die Sache in einem so dunklen Kasuismus...
Rak.: Da wir abschließen müssen, kann ich mich nur so ausdrücken. Wir wollen sehen, ob ich Ihnen noch helfen kann zu verstehen. Es ist bekannt, dass man den Marxismus auch Hegelianertum genannt hat. So wurde die Frage vulgär dargestellt. Der Idealismus Hegels ist die vulgäre Anpassung an das grobe westliche Verständnis des naturalistischen Mystizismus von Baruch Spinoza. "Jene" sind Spinozisten, vielleicht gilt auch das Umgekehrte und der Spinozismus sind "Jene", wobei jener nur die der Epoche angepasste Version für die eigene, viel ältere und höhere Philosophie "Jener" ist. Also Marx als Hegelianer und darum als Spinozist, wurde seinem Glauben untreu, aber nur zeitweilig und aus taktischen Gründen. Es ist nicht, wie es der Marxismus verficht, dass durch die Vernichtung eines Gegensatzes eine Synthese entsteht. Durch die überwindende Integration von These und Antithese als Synthese entsteht eine Wirklichkeit, eine Wahrheit in einem Schlussakkord von Subjektiv und Objektiv. Sehen Sie es nicht? In Moskau Kommunismus ‑ in New York Kapitalismus, These und Antithese. Analysieren Sie beide. Moskau: subjektiver Kommunismus und objektiver Kapitalismus, Staatskapitalismus. New York: subjektiver Kapitalismus und objektiver Kommunismus. Persönliche, wirkliche Synthese, Wahrheit: Internationale Finanz, Kapitalismus ‑ Kommunismus ‑ eben "Jene".
Disraeli hat die erste kommunistische Revolution, nämlich die von 1848, prophezeit. Schon vier Jahre früher, wusste Disraeli genau, was geschehen würde ! Er legte seinem jüdischen Helden in "Coningsby" folgende Worte in den Mund : "Die mächtige Revolution, die sich zur Stunde in Deutschland vorbereitet ... und von der bis jetzt noch so wenig in England bekannt ist, reift ausschließlich unter der Lenkung von Juden heran, die heute fast ein Monopol auf alle Lehrstühle in Deutschland besitzen ... Siehst du also, mein lieber Coningsby, dass die Welt von recht verschiedenen Personen regiert wird, als diejenigen glauben, die nicht hinter die Kulissen sehen." ... Acht Jahre später, nach dem Versuch der Revolution von 1848, schrieb Disraeli außerordentlich aufschlussreiche Worte. Wenn der schon zitierte Passus ein blitzartiges Aufleuchten der Wahrheit bedeutet, dann dauert der nachfolgende (Blitz) doppelt so lang und ist doppelt so hell. Er beleuchtet die ganze dunkle Landschaft unserer Zeiten und durch seine Lichtstrahlen sind die lauernden Verschwörer, deren Existenz immer geleugnet wird, ganz deutlich zu sehen : "Der Einfluß der Juden kann im letzthin erfolgten Ausbruch des zerstörerischen Prinzips in Europa aufgezeigt werden. Da findet eine Erhebung statt, die sich gegen die Tradition und die Aristokratie, gegen die religion und das Privateigentum richtet. Zerstörung der semitischen Grundsätze, Ausrottung der jüdischen Religion in der mosaischen oder in der christlichen Form, die natürliche Gleichheit der Menschen und die Aufhebung des Besitzes: diese Grundsätze werden von den geheimen Gesellschaften proklamiert, die provisorische Regierungen bilden, an deren Spitze überall Männer der jüdischen Rasse stehen. Das Volk Gottes arbeitet mit den Atheisten zusammen; Männer, die im Zusammenraffen von Geld äußerstes Geschick gezeigt haben, verbünden sich mit den Kommunisten; die besondere und auserwählte Rasse reicht ihre Hand allen verworfenen und niederen Schichten in Europa! ..." (Das Leben von Lord George Bentinck, 1852)
The aim is to force Hitler to advance westward against the Allied all of whom were Christian countries instead of eastward. The Financial International will make sure that the Allied declares war only on Hitler and not the U.S.S.R. On the contrary, the U.S.S.R ought to be helped. The U.S. will not enter the war if it is not attacked. "But U.S. rulers can arrange that they will be attacked. The aggression against America can be invented. The Capitalistic States will destroy each other if one brings about a clash of their two wings: the fascist and the bourgeois."
Rakovsky stated "In reality, Christianity is our only real enemy."
"The stock market crash on October 24, 1929 was more important for the revolution than the October Revolution. It was called a real revolution" since it started the great depression. Rakovsky says: "The four years of the government of Hoover are years of revolutionary progress: twelve and fifteen million on strike. In February, 1933, there takes place the last stroke of the crisis with the closing of the banks. It is difficult to do more than Capital did in order to break the "classical American," who was still on his industrial bases, and in the economic respect, enslaved by Wall Street.... the four years of the rule of Hoover were used for the preparation of the seizure of power in the United States and the U.S.S.R.; there, by means of a financial revolution, and here, with the help of war and the defeat which was to follow . . . . You can understand that the execution of the plan on such a scale requires a special man, who can direct the executive power in the United States, who has been predetermined to be the organizing and deciding force. That man was Franklin and Eleanor Roosevelt. And permit me to say that this two-sexed being is not simply irony. He had to avoid any possible Delilah."
All events that followed after this interview in 1938 occurred as though they were acted out of a movie script. Professor Antony C. Sutton in his book Wall Street and the Rise of Hitler (Seal Beach, CA: '76 Press, 1976) proves conclusively that the American financiers provided the money and mateériel to Hitler to launch World War II. That the international bankers participated in the financing of the Bolshevik revolution as documented by his book Wall Street and The Bolshevik Revolution (Rochelle, NY: Arlington House, 1981) together with other data provided by other authors cannot be questioned. In addition, Sutton in his monumental 3 volumes Western Technology and Soviet Economic Development 1917-1965 (Stanford, California: Hoover Institution Press, 1973) demonstrates beyond a reasonable doubt that all the technology, the know-how, much of the raw material and most of the funds to build the industrial and military machine with which the U.S.S.R. threatened the free world came from the U.S. That menacing military machine could well have been stamped: "Made in the U.S.A."
“Step by step, I have arrived at the conviction that the aims of Communism in Europe are sinister and fatal. At the Nuremberg Trials, I, together with my Russian colleague, condemned Nazi Aggression and Terror. I believe now that Hitler and the German People did not want war. But we {England} declared war on Germany, intent on destroying it, in accordance with our principle of Balance of Power, and we were encouraged by the 'Americans' {Jews} around Roosevelt. We ignored Hitler's pleading, not to enter into war. Now we are forced to realize that Hitler was right. He offered us the co-operation of Germany : instead, since 1945, we have been facing the immense power of the Soviet Empire. I feel ashamed and humiliated to see that the aims we accused Hitler of, are being relentless pursued now, only under a different label.”
We need to organize politically as Americans to enforce the American social contract. There is no need, nor would it benefit us, to help the jews destroy our nation in the name of saving it. Stop hating America and start working to purge the ruinous jews who dominate our institutions, including the "alternative media". If only we would impose our political will on the nation, we are in a highly advantageous situation to dominate the world for the benefit of all. We, Americans, alone have the power to crush the jews and communism, if only we will stop herding behind the judas goat jews, including those who openly claim that America is dead and should suicide itself, those subversive jews in the "alternative media". These jews are closet communists wearing patriots' and Christians' clothing.
This German war-propaganda poster tells the absolute truth : that it was world jewry behind Marxism and her uglier radical daughter, Bolshevism. Actually Marxism and Bolshevism are themselves the politcal and economic expressions of the jewish Talmud. Today and for the past 100 years the jews have been behind the socialization of the entire West, the fast route to the destruction in 1917, and half of Europe since then.